Home Zores und Schrottie Juni 2012 September 2012 Oktober 2012

Ihr TOR zur digitalen Freiheit Ein bißchen mehr Anonymität beim Surfen im Internet gefällig, dann benutzen Sie kostenlos TOR. Herunterladen, Auspacken und "Start Tor Browser" öffnen. Zusätzlich können Sie Javascript deaktivieren, Cookies verwalten und mehr.
Nun ist das Surfen mit Tor meist langsamer als ungeschützt. Aber auch hier können Sie als normaler Benutzer mithelfen indem Sie ein "Relay" einrichten, zu erreichen über "Einstellungen" und die Schaltfläche "Beteiligung". Wählen Sie dort den zweiten Eintrag (non-exit relay) aus, und aktivieren Sie "Versuche automatisch die Port-Weiterleitung zu konfigurieren". Klicken Sie auf die Schaltfläche "Test", und wenn alles funktioniert, leitet Ihr Computer Daten anderer Benutzer weiter solange TOR läuft. Sie können nun Ihre Lieblingswebseite besuchen und helfen vielleicht auch anderen.
Selbst wenn Sie kein besonderes Bedürfnis nach digitaler Privatsphäre haben, sollten Sie TOR einmal benutzen, denn für jede Webseite zeigt der Browser Ihnen Scriptanfragen detailliert an, die Sie sonst kaum je zu sehen bekommen.
Wenn das nicht funktioniert, dann blockiert wahrscheinlich jemand TOR, entweder Ihr Provider oder Ihr Router im Haus. Fragen Sie in diesem Fall einen befreundeten Informatiker.
Wenn Sie TOR nicht mögen, können Sie aber wenigstens Ihre Internet-Suchen mit dem normalen Browser ein klein wenig vertrauchlicher gestalten mit
Startpage -- Googles Suchergebnisse ohne abspeichern Ihrer IP-Adresse. In der Liste der Suchergebnisse gibt es dann das nette Link "View by Ixquick Proxy", mit dem Sie einen zwischengeschalteten Server zum Zugriff auf die Webseite benutzen.
Leider funktioniert TOR+Startpage meist nicht, weil "zuviele" Anfragen über die TOR-Server laufen, was bei der Suchmaschine Angst und passiv-agressive Blockaden auslöst.

 

Die E-Mail als Postkarte Erinnert sich noch jemand an Postkarten, diese oft fröhlich farbenprächtig unrealistischen Urlaubsgrüsse, die der Postbote dann mit einem grinsenden "Gruss von Onkel Adalbert" überreichte?
Das heisst, dass jemand sie liest, und zwar mehr aus Langeweile als aus Bildungsbedarf -- das belegen ja auch die wenigen öffentlich zugänglichen Daten über nachrichtendienstliche Mitleser.
Also sollte man Mails verschlüsseln, sagen die Experten. Weil das aber etwas Arbeit und Kenntnisse verlangt, tun es Privatpersonen kaum und wenn, dann bekommt man leicht das Etikett Verfolgungswahn angehängt. Schrottie verschlüsselt Mails willkürlich aus extrem spätpubertärem Spass an der Freude. Natürlich geht er davon aus, dass es un-nette Server gibt, die Anhänge mit der Dateierweiterung .gpg mal auf Vorrat speichern, um sie mit dem mythischen Quantum-Computer irgendwann in der Zukunft zu knacken. Tja, liebe zukünftige Eierdiebe, dann mal viel Vergnügen mit dem "Gruss von Onkel Adalbert".

In eigener Sache -- si tacuisses Es kommt im Schreiben jedes Bloggers der Zeitpunkt, an dem man sich diese Frage stellen sollte. Oder jemand anderes stellt sie. "Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben", einer der wenigen Sätze, die aus dem Religionsunterricht gelieben sind.

Schau mir in die Augen, Chef Emotionen klingen gleich, ob Sie Mensch, Wal oder Affe sind. Wenn Sie das nächste Mal mit Ihrem ungeliebten Chef zu tun haben, dessen Führungsstil in die Kategorie "hart, aber ungerecht" fällt, probieren Sie einmal eine andere Emotion aus. Schauen Sie im in die Augen, und denken Sie fest "ich fresse dich auf, wenn du mich provozierst".
Für die Folgen übernimmt Schrottie keinerlei Haftung. Vielleicht ist es ratsam, das mit Ihrer Katze auszuprobieren und den Chef in Ruhe zu lassen.

 Digitaler Blockwart -- Schnüffeln auf britische Art In Großbritannien soll demnächst praktisch das gesamte Online-Leben der Bürger für 12 Monate gespeichert werden. Genauer, es sollen die Verbindungen praktisch jederzeit zugänglich sein, der Inhalt aber nur gegen Durchsuchungsbefehl. Wenn jemand Autos verbieten wollte, oder mit GPS sämtliche Fahrten aufzeichnet, weil nachweislich jede Menge Straftaten mit deren Hilfe verübt würden, dann dürfte der Vorschlag als idiotisch bezeichnet werden. Dürfte man für die Schnüffelei das gleiche Wort verwenden, ohne sich der kollektiven Defamierung einer Regierung schuldig zu machen?
Da wird lautstark über den Nanny state, den Staat als Kindermädchen, geschimpft und gleichzeitig eine Datensammlung auf den Weg gebracht, die jedem autoritären Regime Ehre machen würde.
Aber weil natürlich die etwas versierteren Mitbürger nun erst Recht mit Proxies, VPNs, JonDo und TOR, und was es sonst noch so gibt, arbeiten, werden soziale Netzwerke in die Massenschnüffelei miteinbezogen. Denn selbst vorgebliche Terroristen wollen ja viele Facebook-Freunde haben, oder?

Weil staatliche Arbeitsprogramme im modernen semikonservativen Staat "out" sind, werden atemberaubende Summen in Sicherheit investiert. Wenn sich erst einmal herausstellt, dass die schöne Überwachung nichts bringt, dann gibt es ja noch die Hardware-Lösung. Jedes Gerät, ob Handy oder Computer, bekommt einen eingebauten Schüffelchip, hurra.

Schrottie hat einen Plan für England, frei nach dem Motto "if you can't beat them, join them". Schrottie wird sich nun doch hinsetzen und ein kleines Programm schreiben, dass den Überwachern den perfekt angepassten Bürger vorgaukelt. Ein kleiner Softwareroboter, der jeden Tag bestimmte Webseiten aufruft während der Computereigentümer auf der Arbeit ist oder sich aus Sorge über eine dämliche Politik sinnlos im Pub besäuft.
Der Benutzer des Programms kann zwischen verschiedenen Einstellungen wählen, etwa "erzkonservativ", "konservativ", "new Labour", "old Labour", "no Labour". Nach der ersten, defensiven Programmvariante wird es dann eine zweite offensive Variante geben, erweitert um Profile wie "Terrorist", mit den Untergruppen irisch, muslimisch und Vatikan sowie mit so netten Berufsbildern wie "Pädophiler", "Drogenhändler", "Hooligan", etc.
Die offensive Variante könnte zum Beispiel von Politikern gegen Konkurrenten eingesetzt werden. Probieren Sie mal, lieber Leser, so ein Stigma los zu werden. Die kostenpflichtige Variante kommt als letzte und wird so coole Funktionen anbieten wie automatische Emails, automatische Bestellungen bei Amazon ("Mein Kampf" im Sonderangebot).
Eigentlich wollte Schrottie ja für sich behalten, dass er zur nicht so elitären Gruppe der öfter sicherheitsgeprüften Mitmenschen gehört, aber diesem Beitrag verleiht ein kurzer Hinweis auf "geprüfte Staatstreue" jenes Extra an Würze, das einem Tränen in die Augen treibt.

Nachsatz: Am selben Tag, an dem Schrottie nach Worten sucht, um jene, die mit dem Argument arbeiten, "wer nichts zu verbergen hat, kann ja nichts dagegen haben", zumindest im befreundeten Ausland in all ihrer Glorie darzustellen, hat die Wirklichkeit ihn überholt. Das Mädchen, das in Großbritannien über Schulessen blogte, darf nach Pressemitteilungen vom 15. Juni 2012 keine Fotos vom Schulessen mehr machen. Schrottie begrüsst die Entscheidung des Councils. Nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn irgendwelche Kriminellen totgekochte englische Schulerbsen anhand solcher Fotos nachbauen könnten.
Update vom 16. Juni: Sie darf nun doch wieder fotografieren. Zores am 3. Juli 2012: Stellen Sie sich vor, dass jeder Brief registriert wird, den Sie verschicken. Gleichzeitig wird der Brief geöffnet, eine Kopie gemacht, das Original verschickt und die Kopie für den Spass der Behörden bereitgehalten.

 

Crack für Katzen

Es gibt da eine Marke von Katzensnacks, die auf einige Schrottie bekannte Hauskatzen wirken wie Crack. Nun sei angemerkt, dass Schrottie Katzen kennt, aber keine über Zeitungsberichte oder Filme hinausgehenden Kenntnisse über Crack hat. Das soll uns aber nicht aufhalten, da das Motto "Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts" für Schrottie ideal ist. Die trägen, auf dem Bett oder der Couch schlafenden, sich auf der Fensterbank sonnenden Katzen, werden beim Schütteln der Dreamies-Packung zu einer Bande laut miauender, sich gegenseitig aus dem Weg schiebender feliner Rocker.
Nein, das ist keine bezahlte oder sonstwie vergütete Werbung.

Einwanderungsland Deutschland

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Ende der Diskussion, jetzt rauft euch zusammen und arbeitet für euch und eure Kinder. Alter macht nicht unbedingt weise, Schrottie ist ein Beleg dafür. Und doch tut es immer wieder gut, wenn alte Menschen feststellen, dass Ausländer nichts als Mitbürger mit denselben Bedürfnissen und Träumen sind. Natürlich gibt es auch verbohrte alte Betonköpfe, und dummerweise haben die meist mehr Einfluss als die abgeklärten. Wir dürfen uns als "Deutsche" ruhig öfter einmal fragen, woher wir kommen und was die typisch deutschen Namen wie Dupont oder D'Avis über uns sagen. Und wir dürfen ruhig stolz sein auf die nun auch typisch deutschen Namen wie Erdogan und Özmir. Schrottie erzählt amerikanischen Freunden gerne ungefragt mit einem grossen Lächeln vom indischen Bürgermeister, vom vietnamesischen Minister, vom iranischen Karnevalsprinzen und von den schwarzen GIs, die lieber hier ihren Ruhestand verbringen als anderswo. Und wenn sich jemand über Muslime als Religionsgemeinschaft wundert, erinnert Schrottie seine Gesprächspartner süffisant and andere Götter, die im Laufe der Zeit hier angebetet wurden. Römische Götter gefällig? Niemand?
Etwas ernsthaftere Gedanken über Einwanderer, die längst keine mehr sind, kann man sich beispielsweise im Zusammenhang mit dem dreißigjährigen Krieg machen. Trotz Zerstörungen und Verlust von Dokumenten tauchen immer wieder einmal Informationen auf. Wusstem Sie beispielsweise, dass es urdeutsche Familien gibt, die nach diesem Krieg aus Belgien oder Frankreich eingewandert wurden (d.h mit Anreizen), um das Absinken deutscher Dörfer in die komplette Inzucht zu verhindern?

Länger leben, länger arbeiten

Im Prinzip hat Schrottie nichts dagegen, und jetzt kommt das Aber. Das Rentenalter sollte endlich nach der Schwere der Arbeit gestaffelt werden. Es gibt nämlich auch im berufsgenossenschaftlich geschützten Deutschland noch genügend Berufsgruppen, bei denen Verschleiss gang und gebe ist. Und der Bundespräsident gehört nicht dazu, auch wenn dies wohl Futterneid seitens Schrottie sein kann. Um länger arbeiten zu können, muss auch Arbeit da sein, und im Augenblick sieht es in Deutschland nicht so schlecht aus. Kann uns mal jemand sagen, welches Wachstum wir brauchen, damit zunächst die weggefallenen Jobs ersetzt werden, und wieviele neue es braucht, damit wir länger arbeiten können?
Ansonsten ist es schlicht Etikettenschwindel, wenn die Leute mit gekürzter Rente in den Vorruhestand geschickt werden.

Darwinismus für Deppen

Die Überschrift dient einzig und allein der Alliteration. Darwins Postulate erscheinen Schrottie vernünftig. Es geht hier nur um die schreckliche Verballhornung einer coolen Theorie. Wir hören von Sozialdarwiniusmus, und viele setzen, wenn es um Menschen geht Darwinismus gleich mit Intelligenz oder Karriereerfolg. Schrottie hat seit langer Zeit die Vermutung, dass die darwinsche Evolution öfter als man denkt die Ausleger vernichtet, dass die gaussche Glockenkurve mehr als uns fortschrittsfreudigen Zeitgenossen am "oberen" und "unteren" Ende gestutzt wird, und nur ab und zu echte Ausleger einen grossen Evolutionsschub geben.
Das mag sich harsch anhören, aber Schrottie lag mit seiner Skepsis so oft richtig, dass er sich mit dieser Behauptung vorwagt. Ausgelöst hat diesen Eintrag eine Anekdote: Ein Cousin ging kürzlich in Rente, nach sage und schreibe 40 Jahren durchgehender Beschäftigung. Nun ist dieser Cousin an generellen Intelligenzmaßstäben gemessen am unteren Ende der Kurve, während Schrottie zumindest vor einigen Jahrzehnten Mensawerte spielend erreichte. Materiell ist Schrottie arm, der Cousin nicht. Sozial war Schrottie nie so gut integriert, während der Cousin völlig in seiner ländlichen Umgebung eingebettet war und ist.

 0800 oder 0815 Nummer?

Herzlich willkommen zum ersten Beitrag von Zores. Zores freut sich wieder und wieder über die Kreativität, die Manche entwickeln, wenn es darum geht, den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen. Eines dieser Nümmerchen, gedreht von vorwiegend größeren Firmen und Behörden, ist das Bezahlen für simple Telefonate. Mir 0,15 oder mehr Cent in Rechnung zu stellen, wenn ich wissen möchte, wieso mein Telefon einmal wieder nicht funktioniert, ist eigentlich eine Frechheit.

Als Privatkunde kann ich leider keinen solchen Bezahldienst einrichten. Sinnvoll wäre das. Überlegen Sie sich einmal, was die ungebetenen Werbeanrufer tun würden, wenn sie für jedes Gespräch extra zahlen müssten. Zores würde statt eines kurzen "kein Interesse, danke", ausführliche Gespräche mit den Anrufern führen, beginnend beim Thema Wetter, bis hin zu Astrologie und Abwasserbeseitigung.

Für Freunde und Familie müsste man einen zweiten Anschluss einrichten, Facebook-Freunde würden allerdings nur die Bezahlnummer bekommen.

Doppelgänger

Der Doppelgänger, aus Mythen bekannt, in Romanen und Filmen verewigt, ist eine interessante Gestalt, macht er doch wenigstens einen Teil des vor-, neu- und postmodernen Individualismus zunichte. Wurden Sie, liebe LeserInnen, jemals mit einem Doppelgänger konfrontiert?
Zores erlebte vor etwa zwei Jahren folgendes: Wir besuchten einen alten Freund auf der Intensivstation eines bekannten Krankenhauses. Zores, seine Partnerin und ein Freund kamen um die Ecke am Stationseingang. Mehrere Stationsbedienstete waren im Gang, in Klemmbretter vertieft, miteinander redend, im Laufschritt von einem Zimmer ins andere laufend.
Eine Gruppe blickte nahezu gleichzeitig auf, dann flüsterte ein Pfleger, und eine Pflegerin kam auf uns zu: Sie wünschen? Wir erklärten unser Anliegen und wurden zum Zimmer unseres Freundes geführt. Angemerkt sei, dass Zores kein Wort sagte. Die beiden anderen führten die gesamte Kommunikation. Ab und an ist Zores sensibel, und diesmal glaubte er zu spüren, dass man seiner Gruppe mehr Aufmerksamkeit gab als anderen Besuchern, die gleichzeitig hier waren.
Nach dem Besuch bei dem Freund wandten wir uns dem Ausgang zu als ein Pfleger Zores ansprach: Guten Tag. Guten Tag. Der Pfleger lächelte, Zores erkannte ihn wieder als den flüsternden Mann zu Beginn des Besuchs. Der Pfleger fuhr fort: Sie sehen genauso aus, wie jemand, der einmal hier gearbeitet hat. Zores antwortete: War er nett? Der Pfleger: Er war sehr kompetent.
Zores war erstaunt über die angedeutete Persönlichkeit. Denn Zores weiss, dass er auf der Arbeit manchmal wegen seines rationalen Vorgehens als kalt betrachtet wird.
Zores sah den Doppelgänger nie und wundert sich manchmal über diese Geschichte. Das Krankenhaus liegt 12 Stunden entfernt von der Gegend, in der Zores aufwuchs.

Vorahnung oder Nachahnung?

Statisch wahrscheinlich total irrelevant, emotional überwältigend. So beschreibt Zores einige Vorkommnisse in seinem Leben, die einfach nicht vergessen werden. Das erste Mal geschah es bei einer Beerdigung. Der Priester hatte seine Grabrede gerade beendet, als Zores sich umdrehte. Er sah einen Totenschädel. Hinter ihm stand eine gute Bekannte, eine sehr nette Frau in ihren Dreissigern. Er schon das Bild weg. Fünf Monate später klingelte das Telefon, die Schwägerin der Frau sagte: Es geht um Nanou. Sie war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Jahre später kam Zores von der Arbeit nach Hause. Er schloss das hohe Tor auf und stand vor einer Gruppe von vier Freuden, die das Haus gerade verließen. Einer der Freunde, anfang Vierzig, trug einen Totenkopf. Zores schüttelte das Bild ab, tauschte Höflichkeiten mit den Freunden aus, und sie gingen ihres Weges. Knapp sechs Monate später stürmte eines Morgens einer der Freunde in den Garten: Patrick...
Tot, der Freund, dessen Gesicht ein Totenkopf war.
Zores machte sich über diese und ähnlich gelagerte Vorfälle viele Gedanken. Das einzige gemeinsame Merkmal war die Unerwartetheit. Es musste anscheinend überraschend sein. Andere Freunde bewußt anzusehen funktionierte nicht.
Es bleiben die Erinnerung und die Frage, ob man der vertrauen kann.

Der Sinn des Daseins

Macht es (neudeutsch) Sinn, ergibt es Sinn? Hier fügen Sie nun Ihre eigne Meinung und einige Millionen Seiten Religion und Philosophie ein. Es ist wenige Monate her, da hatte Zores einen Traum. Er erinnert sich an das immense Glücksgefühl, an den Gedanken "jetzt verstehe ich das Leben" und an das Licht, intensives Licht in allen Farben des Regenbogens, das von einem zentralen Punkt aus in allen Schattierungen gleichmäßig nach aussen strahlt. Die Spitzen dieses Lichtsterns bewegten sich so langsam, dass er die Strahlenspitzen sehen konnte. Gleichzeitig erfüllte ihn, seinen ganzen Körper, ein Gefühl des Glücks, wie er es noch nie erlebt hatte. So schwer in Worte zu fassen, vielleicht so: als vibrierten alle Moleküle in seinem Körper auf derselben Frequenz.
Was bleibt ist heute ein Eindruck der Seltsamkeit, die Erinnerung an eine tiefen, absoluten Frieden.
Besser als jeder Sex, und Sie können Zores glauben, dass er bewusstseinssprengenden Sex oft genug erleben durfte.

Frauenquote bitte

Zores folgt seinem Vorgänger in die unerträgliche Leichtigkeit des Lebens. Wir brauchen eine Frauenquote. Die Umsetzung ist bestechend einfach. Man kehrt die Rollen in den Führungsetagen (Geschäftsführung, Aussichtsrat) der grossen deutschen Konzerne einfach befristet um. Wo es etwa jetzt 80% Männer sind, werden die gegen Frauen ausgetauscht und umgekehrt. Das Gegenargument des Mangels an kompetenten Frauen ist schwachsinnig. Die Mehrheit dieser Männer ist komplett durch Frauen mit ihren gegenwärtigen Skills zu ersetzen, der einzige Unterschied: positiv. Und das zweite Argument, wohin mit den Männern: in Pension. Wer als Mann im höheren Management nicht genügend Geld hat, um sich jederzeit in Rente begeben zu können, kann entweder nicht mit Geld umgehen oder ist zu bescheiden -- beides disqualifiziert ohnehin für Führungspositionen. Unsere Konzern-Vorzeigemanager, von denen nicht unbedingt viele je ein Miniunternehmen geführt haben, können dann ihre Führungsfähigkeiten als Startup-Chefs zeigen.
Und in fünf Jahren unterhalten wir uns über den Erfolg der Massnahme.

Angenehmes Leben im Kraftwerk

Können Sie sich vorstellen, in einem Kraftwerk zu leben? Wohl kaum, weil man sich ein Gebäude oder eine Anlage vorstellt, in der es laut und im Zweifelsfall sehr ungesund zugeht. Und doch leben schon viele Deutsche in einem Kraftwerk, nicht nur die Eigner einer Solaranlage auf dem Dach. Zores und seine Familie leben in einem Landkreis, der mehr Strom produziert als er verbraucht. Und das ist keine fossile Energie sondern vorwiegend Wind. Die abwertend als Spargel bezeichneten Windmühlen machen uns nicht nur autark, sondern machen unsere Gemeinden zu Mini-Scheichtümern, während wir als Bewohner mehr Grün um uns herum haben als erwartet. Neben Wander- und Ausflugszielen im Überfluss besitzt unser Kraftwerk alle Annehmlichkeiten des modernen Lebens, mit Lebensmittelgeschäften, Ärzten, Krankenhäusern und Volkshochschule.
Nicht schlecht für eine Gegend, in der Krebserkrankungen durch Klärschlamm auf den Feldern oder Weinbergspritzgifte halbe Jahrgänge in manchen Dörfern weggerafft haben.

Schlecker und die Drogerie, die keine war

Nun ist Schlecker weg, und das ist gut so mit Ausnahme der Arbeitsplätze vor Ort. Mitleid für die Manager ist unangebracht, man braucht sich nur die zweifelhafte Führung über die Jahre anzusehen.
Kann es sein, dass wir eigentlich Läden wie Schlecker überhaupt nicht brauchen? Das Sortiment hatte schon lange nichts, was man im nächsten grösseren Supermarkt nicht auch findet.
Das liegt nicht unbedingt am Schlecker sondern eher am nicht existenten Konzept der Drogerie in Deutschland im Vergleich zu vielen Nachbarstaaten. Für Zores waren Schlecker, IhrPlatz, MeinPlatz, NochEinPlatz schon immer nichts als glorifizierte Krammärkte mit einer grösseren Auswahl an Zahnpasta, Binden, Nagelfeilen und Kämmen. Von Drogerie keine Spur -- nicht einmal Aspirin gab es in deutschen drugstores. Die Apotheken haben die Drogen, und die Supermärkte und die Trödelmärkte den Rest.
Den Verrauchern und der Umwelt zuliebe hofft Zores, dass das Ende der Schlecker entgültig ist und keiner denkt, es gebe hier eine tolle Marktnische.

Softwaretest mit Kontaktanzeigen

Auch Softwareentwickler sind gegen unfreiwilligen Humor nicht gefeit. Eine Anekdote aus einem Unternehmen, das sogenannte Crawler nutzt, zeigt das. Laien können sich Crawler als kleine Programme vorstellen, die bestimmte Webseiten automatisch laden und im Unternehmen allgemein zugänglich machen. Zum Testen der Software braucht es Websiten, und wenn die Software mehrsprachig ist, braucht man auch fremdsprachliche Webseiten. Da trotz aller Nerdqualifikation die meisten Entwickler keine zwanzig oder dreissig Sprachen sprechen, wird einer ausgeguckt, der Standardwebseiten sucht, die von allen benutzt werden.
So einfach, so gut. Wenn man die Standarseite für eine Sprache ändern will, muss der Chef das absegnen. Was tut man nun, wenn der Chef als Standardseite für Russisch eine Webseite mit, sagen wir, Kontaktanzeigen bestimmter Damen ausgesucht hatte und diese seit Jahren als Messlatte -- irgendwo müssen wir hier doch zweideutig werden -- eingesetzt wird?
Man verschweigt diesen Faux-Pas und gibt allen Entwicklern und Testern die Adresse der neuen unverfänglichen Seite. Als Begründung für die Änderung denkt man sich etwas Plausibles, nicht ganz einfach Nachprüfbares aus. Zum Beispiel, die alte Seite ist zu klein und statistisch nicht so gut geeignet weil grössere Teile des russischen Alphabets in ihr überhaupt nicht vorkommen.
Leider werden wir nie erfahren, ob der Chef wusste, was er da tat.

Mehr Grenzen

Statt das geografisch winzige Europa endlich weiter für seine Menschen zu öffnen, schreien die Kleingeister wieder nach mehr Grenzen. Reicht es denn nicht, dass selbst im Schengen-Bereich die Niederlassungsfreiheit immer noch an Geld geknüpft ist? Zores studierte aus gegebenem Anlass vor einigen Tagen römische Karten und stellte fest, dass er nicht in Germanien lebt, sondern in Gallien. Während ihr. werte Politiker, die Zuzugbremsen nicht lockern wollt, machen euch die eingeborenen Nachbarn mit ihren wenigen Kindern einen dicken Strich durch die Rechnung. Zores ist sich mit seinem Vorgänger Schrottie darin einig, die allermeisten Deutschen über die letzten 2000 Jahre sind nun einmal Zuwanderer. Wie immer kommt es nur auf die Definition an. Also haben wir, die mit uns vermischten Neanderthaler eingeschlossen, mit der richtigen Definition einen Migrationshintergrund von 100%. Für wen, liebe Politiker arbeitet ihr eigentlich? Für die Angsthasen, deren Sicht von Zuwanderung jener der alten europäischen Auswanderung mit weitgehender Vernichtung der eingeboreren Population mehr entspricht als einem zwar nicht reibungslosen aber möglichen Austausch? Die einzigen bedeutenden Streitigkeiten im Leben hatte Zores mit Eingeborenen.

Die Zores-Firma des Monats Juli 2012: Commerzbank AG

Schrotties Tradition der Firma des Monats bleibt als Zores-Firma des Monats erhalten. Zores hat politisch wenig Berührungsängste und kann deshalb ohne Probleme dem CSU-Generalsekretär zustimmen, der die Abschaffung der Bundesschatzbriefe für Privatanleger kritisiert. Aber der Reihe nach: die Commerzbank machte unlängst Schlagzeilen, weil sie eine Rentnerin verklagte, deren Geld wegen dackelhafter Beratung so angelegt war, dass sie erst im zarten Alter von über 100 Jahren wieder Zugriff darauf hätte. Die Commerzbank und die Deutsche Bank hatte ja von je her den gehobenen Mittelstand und bürgerliche Gierer als Zielkunden, mit dicken Gebühren und unterwürfigen Beratern gaben sie sich als Herren der sozialen Marktwirtschaft. Steuergelder zu nehmen, das war offensichtlich die Bedeutung des "sozial" in ihrem Verständnis von sozialer Marktwirtschaft. Es ist recht ätzend mitanzusehen wie Firmen sich über staatliche Konkurrenz beschweren, zu deren modus operandi das Über-die-Ohren-hauen gehört. Dabei sind die gescholtenen Bundesschatzbriefe nichts anderes als lebender Kapitalismus, Eigentum des Bürgers an der BRD AG.
Man braucht kein Konto bei der Commerzbank. So einfach ist das.

Komasaufen für Anfänger

Die vorgezogene Sperrstrunde für Teenager soll laut Spiegel vom 7.7.2012 in Planung sein. Die noch im vorhergehenden Beitrag gepriesene Abwesenheit von Berührungsängsten wird auf eine harte Probe gestellt, aber sei es drum. Zores ist mit FDP und Wirtschaftsverband dagegen. Unsere Teenager sind und werden keine Tee-Nager, lasst doch die Kirche und die Wirtschaft im Dorf.
Auch das übelste deutsche Komasaufen ist im Vergleich zu britischem Komasaufen wie eine Party mit Limonade. Gebt Kids etwas zu tun, redet mit ihnen, und findet euch damit ab, dass eine kleine Prozentzahl komme was da wolle saufen wird.
Verbieten wirkt nicht, wart Ihr, liebe Politiker nie jung?

Afghanistan und anderswo

Zores hat einen kleinen Beitrag zur grossen Politik: lasst alle afghanischen Frauen, die auswandern wollen, auswandern. Bezahlt werden kann das von den 13 Milliarden Euro, die vor kurzem Afghanistan versprochen wurden. Den Frauen kann man davon ein Gehalt bezahlen, und die Männer in Afghanistan können sich dann weiter gegenseitig umbringen.

GEMA Jahresabschluss 2011

Zores hat sich aus Neugier den Jahresabschluss der GEMA für 2011 zu Gemüte geführt. Die GEMA darf als Treuhandgesellschaft keinen Gewinn erwirtschaften heisst es da gleich zu Beginn. Die GEMA hat diverse Geschäftsbeteiligungen, darunter eine an einem Software-Unternehmen. Ausserdem gibt es die CELAS. Die CELAS ist eine von der GEMA und der britischen Verwertungsgesellschaft MCPS-PRS gegründete GmbH, die europaweit Nutzungsrechte von Komponisten, Textern und Verlegern für Musikwerke vergibt. So hat sich die GEMA mit ihrem Monopol in Deutschland das Geld verdient, um mit Software zu spielen und auf europäischer Ebene einen weiteren Monopolvorstoss zu wagen.
Ach ja, dann sind da noch Pensionsrückstellungen in Höhe von ca. 61 Millionen Euro und 9 Millionen für "Personal", was auch immer das heisst. Und an Steuern in Tausend Euro: 0 (genau null).
Der wirtschaftliche Verein GEMA ist ein international nach gängigen Erwerbskriterien arbeitendes Unternehmen. Die Ausschüttungsquote liegt bei 85%, was eigentlich zu niedrig ist. Nach dem gegenwärtigen Stand der Technik könnte man die GEMA mit einer Ausschüttungsquote von 95% führen.
Dass trotz eines millionenschweren IT-Haushalts die Datenbankabfrage nicht einmal Umlaute verträgt, ist schlicht lächerlich.
Kann mal jemand bei Google nachfragen, ob die eine Konkurrenz zur GEMA aufmachen wollen? Frei nach dem Motto "if you can't join them, beat them!"

Kluge Menschen irren sich häufiger - Zeit online vom 13.7.2012 "

Je klüger desto mehr Denkfehler", damit sind alle Durchschnittsdenker endlich von Minderwertigkeitskomplexen erlöst. Die Studie aus den USA hat gleich mehrere Schwachpunkte, man aus folgendem herauslesen kann: "Sie forderten sich gerne intellektuell heraus, waren neugierig, und hatten im Uni-Aufnahmetest SAT eine überdurchschnittliche Punktzahl erreicht. Als West die Ergebnisse verglich, fand er erstaunliche Korrelationen: Je klüger die Studenten waren, desto eher fielen sie auf die Denkfehler herein. Offenbar schützt Intelligenz nicht vor Irrtümern, sondern befördert sie vielmehr. Womöglich seien sich kluge Menschen ihrer geistigen Überlegenheit bewusst"
Freiwillige mit überdurchschnittlichen SAT-Tests sind sich in den USA ihrer "geistigen Überlegenheit" sehr bewusst. Schrottie hat Zores einige Einblicke in den Intelligenzkult amerikanischer Schulen gegeben. Für jemanden wie Zores ist der glatt erschreckend. Noch sind wir in Deutschland nicht so weit, aber es gibt in der vormaligen Herrenrasse möglicherweise stärkende Faktoren für eine solche Entwicklung.
Die Studie macht nicht sonderlich viel Sinn, es ist eine nette Spielerei. Zores wartet auf eine Studie, die auch unerkannte Kluge einbezieht und etwas weniger auf Egos setzt. Ist es nicht so, dass man mehr Fehler macht, wenn man zu sehr von seiner Überlegenheit überzeugt ist - gleich, ob man klug oder dumm ist?

Neue Rubrik: Schön wär's gewesen -- Zwangsanleihen für Reiche

Zores führt nun Mitte Juli 2012 eine neue Beitragsrubrik ein mit dem Namen "Schön wär's gewesen". Die Rubrik beschäftigt sich mit Vorschlägen, die trotz oder wegen ihrer Güte und ihres Andersseins wohl zum Scheitern verdammt sind. Eine Vermögensabgabe für Reiche ist der erste Vorschlag, der in diese Serie fällt. Eine solche Idee ist mangels tiefer Demokratie auf absehbare Zeit einfach nicht umsetzbar. Lieber einen Solidaritätszuschlag auch auf kleine Einkommen als jene zu verschrecken, deren Geld mobiler ist als der Durchschnittsbürger. Geld scheint das einzige Besitztum zu sein, das beinahe völlig unantastbar seitens des Staats ist, wenn wir Steuern einmal ausnehmen weil die einen anderen Zweck erfüllen.
Der deutsche Staat kann Ihnen so gut wie alles einfach wegnehmen, entweder ohne dafür zu zahlen oder für viel zu niedrige Preise. Wehren können Sie sich unter einer Voraussetzung: Sie haben das Geld dafür.
Bevor Sie jetzt zu empört sind: in anderen Ländern kann man Ihnen auch Geld einfach so abnehmen.
Update vom 18. Juli 2012: In der laufenden Woche hat nun Jakob Augstein im Spiegel online die Anleihe als zu vernünftig, um realistisch zu sein, bezeichnet. Zores freut sich über die Zustimmung.

Die Sache mit der Loyalität -- Verfassungsschutz 3.14

Zores wählt die Versionsnummer 3.14 für die wohl entfallende sogenannte Verfassungsschutzreform, weil die Zahl "Pi" die Unendlichkeit der Reformversuche schön darstellt. Der angehende neue Chef weist zwei Jahrzehnte im höheren Dienst und jede Menge Loyalität auf. Wie Loyalität schaden kann, das beschreibt der Artikel im Link deutlich genug. Zores findet die Geheimniskrämerei des Dienstes berauschend dämlich: den Abgeordneten im Kontrollgremium geschwärzte Akten vorzulegen ist mit dem kleingeistigen Demokratieverständnis von Zores nicht vereinbar. Wesentlich interessanter als das Nachrücken eines weiteren Juristen ist hingegen der Verfassungsschutzbericht 2011. Die dort erfassten Zahlen sind: Zugegeben, das sind nur Gesamtzahlen, und Zores hat keine Ahnung, wie die Details aussehen. Entspricht die Struktur und die Aufgabenverteilung diesen Zahlen, oder würde ein aufmerksamer Beobachter feststellen, dass links und rechts fast gleich stark beobachtet werden?
Und die Beobachtung von Parlamentariern, natürlich nur aus "öffentlichen Quellen", ist wohl ein Witz oder ein Beispiel für fehlgeleitete Loyalität.
Zores Freund Schrottie schrieb einmal eine Studienarbeit, die aus öffentlichen Quellen und mit Gespür die später kommenden Probleme der Sowjetunion darstellte. Zur selben Zeit malten die beamteten Kremlwatcher und die scharfen Hunde das Gespenst einer auf die Ewigkeit angelegten Sowjetunion an die Wand. Was das zeigen soll? Ein gewisses Mass an Gewalt und Dummheit ist immer zu erwarten, und politische Dienste verschärfen beides.

Schön wär's gewesen -- Urlaub ohne Internetanschlusshaftung

Urlaubszeit ist die Zeit, in der theoretisch der WiFi-Router abgeschaltet werden muss. Tun Sie das nicht und surft jemand während Ihrer Abwesenheit, dann waren Sie fahrlässig. Sie kommen aus dem Urlaub zurück, schalten den Router ein und haben plötzlich keinen Internetzugang mehr. Was ist passiert? Die Rechnung wird abgebucht, der Router blinkt dort, wo er blinken soll, und der Computer benimmt sich korrekt nachdem diverse Updates nachgeholt sind und die Anti-Viren-Software eine Stunde fleissig gescant hat.
Sie können davon ausgehen, dass ein Nachbar den Kanal bestzt hat, den Ihr Router vorher benutzte. Rufen Sie die Verwaltungsseite Ihres Routers auf und probieren Sie andere Kanäle durch. Es kann sein, dass Sie mehrere Anläufe machen müssen bis Sie einen freien Kanal gefunden haben. Besser und komfortabler geht das mit
dem kostenlosen inSSIDer für Windows und Mac. Wenn Sie eine NerdIn mit Linux oder so sind, wissen Sie eh Bescheid.
Und wenn die deutsche Rechtsprechung sich entscheiden könnte die dämliche Haftung des Anschlussinhabers abzuschaffen, dann wäre das ein richtiger Urlaub.

Schön wär's gewesen -- Solidarität der Reichen

Kapitalflucht aus dem Süden Europas, £13tn: hoard hidden from taxman by global elite, Reiche leben länger (das war auch ohne besondere Studie schon länger klar), und so weiter und so fort.
Vielleicht könnte man ja die Welt neu aufteilen und einen Kontinent für diejenigen reservieren, die mit dem System der Gier, der Karrieresucht und der unbegrenzten Ausbeutung nichts zu tun haben wollen? Reservate haben historisch keinen grossen Erfolg gehabt, wie die Reservate für Indianer in den USA, der Staat Liberia für freigelassene Sklaven, oder Israel gezeigt haben. Darum müsste es schon ein Kontinent sein, damit die Grundressourcen für eine solche Gesellschaft vorhanden sind und es genüg Platz für unterschiedliche Weltanschauungen gibt. Jeder dürfte dort ein- oder auswandern. Wer reich einwandert, gibt sein Vermögen an der Grenze auf. Wer mehr Güter und Prestige haben will als seine Eltern, geht in ein reiches Land und kann das dort tun. So eine Art Amish auf globaler Ebene. Denn trotz aller rückwärtsgewandten Bilder vom Leben der Amish, sind diese durchaus anpassungswillig. Die Milchkühlanlagen und Futterförderungsanlagen sieht man eben nicht in Hochglanzbroschüren. Und man muss schon genau hinschauen, umzu erkennen, dass moderne Kutschenräder kleine glasfaserverstärkte Anpassungen an den Fortschritt sind.
So können wir die Erfindung der Erfindung des Rads so oft erneut durchleben wie wir wollen.

Sozialexperiment -- ein Jahr leben wie das 1%

Ein Jahr unter Obdachlosen, ein Jahr ohne Plastiktaschen, ein Jahr nur mit dem Hartz IV Satz, ein Jahr als Missionar in Afrika, ein Jahr Aushilfe im Altersheim, schön und gut. Unser Freund Schrottie hat das Einjahresparadigma einmal auf den Kopf gestellt. Ein Jahr leben wie die Angehörigen des 1 Prozents ist auch etwas Interessantes. Schrottie wollte nicht selbst darüber schreiben, denn, sagt er, er könne den einen grundsätzlichen Widerspruch nicht auflösen. Der Widerspruch bestünde darin, dass man zunächst an eine ausreichend grosse Summe Geld kommen müsse. Er wolle ja nicht Szenarien wie Mark Twains "Die Eine-Million-Pfund-Note oder ähnlich gestrickte Hollywood-Schinken nachleben.
Das Jahr ist nun vorüber, und Schrottie hat Zores ein kurzes Interview gegeben, aus dem wir hier die wesentlichen Teile zitieren.

Zores: Zunächst einmal vielen Dank für die Bereitschaft zu diesem Interview. Ich hatte es fast schon aufgegeben.

Schrottie: Keine Ursache.

Zores: Möchten Sie uns ein wenig von Ihrer Motivation und Ihren Erlebnissen erzählen?

Schrottie: Die Motivation war einfach die Frage, wie lebt es sich, wenn man ein ganzes Jahr keine Sekunde an den Gedanken verschwenden muss, woher die nächste Miete oder die nächste Reise kommt. Leicht fiel mir die Entscheidung nicht, denn ich hatte ja keine Sponsoren und wollte das auch nicht mit ein paar Banküberfällen oder so finazieren.

Zores: Sie haben alles selbst finanziert?

Schrottie: Genau. Und daher kam auch der fundamentale Widerspruch. Da ich nicht zu den 1 Prozent gehöre, wie finanziere ich einen wenigstens annäherden Lebensstil. Mit Erspartem, das heisst, jetzt bin ich ganz offiziell arm.

Zores: Wie würden Sie Ihren Lebensstil während dieser zwölf Monate beschreiben?

Schrottie: Wie beschreibt man 12 Monate und 100 000 Euro später? Die ersten anderthalb oder zwei Monate waren, würde ich sagen, reine Eingewöhnungszeit. Ich stelle mir vor, dass Lottogewinner so etwas Ähnliches durchmachen. Dieses Gefühl, auf Geld aufzupassen gehört einfach zum normalen Leben. Und das loszulassen war (lacht) schwere Arbeit. Danach war es ein bemerkenswertes Erlebnis.

Zores: Was war denn im Einzelnen so bemerkenswert?

Schrottie: Nicht an Geld zu denken ist das Herausragende. Im Unterschied zu dem angesprochenen Lottogewinn fehlte der plötzliche Ruhm, und dadurch gab es auch keine Verwandtschaft oder Freunde, die auftauchten und Geld wollten. Natürlich bemerkt die Umgebung, dass man seine Arbeit aufgegeben hat, aber das war es dann auch schon. Wir haben und mehrere Reisen und einen langen Urlaub gegönnt, den ich normalerweise schon wegen der Benzinpreise abgelehnt hätte. Man fühlt sich nach der Eingewöhnung (lacht erneut) einfach gut. Einkaufen ohne auf den Preis des Klopapiers zu achten, ist der erste Schritt (lacht).

Zores: Das hört sich eher bescheiden an, weniger nach 1 Prozent?

Schrottie: (lacht) Eine Yacht haben wir selbstverständlich nicht gekauft, also die langfristigen Luxusgüter waren von vorne herein tabu. Danach arm sein ist okay, aber bis über beide Ohren verschuldet, das war nicht Sinn der Übung. Ein Luxusgut haben wir uns geleistet, eine Gitarre.

Zores: Eine Gitarre?

Schrottie: Die haben wir bei einer Benefizveranstaltung ersteigert. Sie hat Autogramme von bekannten Musikern und dient damit einem guten Zweck. (lacht) Nicht genug 1 Prozent-ig?

Zores: Ich würde es nicht machen. Sie sagten, nicht an Geld zu denken, war der springende Punkt?

Schrottie: Genau, wobei ich mir schon die Frage stellte, ob wir uns da überhaupt vom leicht gehobenen Bürgertum unterscheiden.

Zores: Und haben Sie an "Geld macht nicht glücklich" gedacht? Schrottie: (lacht) Oh ja, und ich glaube es macht glücklich, wenn man nicht daran denkt. Die echten 1 Prozent haben viel zu verlieren, wir hatten mal eben einhundert Tausend, ich verlasse mich auf Freunde, die von dauerhaft Reichen und deren Angst vor dem Absturz berichten.

Zores: Würden Sie es noch einmal tun?

Schrottie: Jederzeit. Es ist ein riesiger Unterschied. Das war eine relativ spontane Entscheidung. Das Einzige, was ich im Nachinein bedauere ist, dass wir keine MRIs, keine Magnet-Resonanz-Tomografie, gemacht haben. Es wäre extrem interessant gewesen, ein Bild vom Gehirn vorher und nachher zu haben (lacht schallend). Zores: Vielen Dank für das Gespräch, und viel Glück beim Geldverdienen. Schrottie: Es war mir ein Vergnügen, und Glück können wir jetzt auch gebrauchen.

Trollig ohne Code

Diesmal schlägt Uniloc Wellen mit Patentklagen gegen einige Firmen, unter anderem Electronic Arts. Das Witzige an Patenten, die von "Trolls", wie die Amerikaner sie unfreundlich nennen, benutzt werden ist: es gibt garantiert für die wenigsten dieser Patente funktionierenden Programmcode zum Zeitpunkt der Einreichung. Bei Grossfirmen oder seriösen Unternehmen ist das anders. Da wird etwas entwickelt, man fragt die Patentabteilung, ob es patentierbar ist, und wenn ja, reicht man eines ein. Die meisten der trolligen Patente sind anders. Bei genauem Hinsehen würde man feststellen, dass sie entweder aus Fachzeitschriften oder - besser - Studentenarbeiten abgeleitet sind oder im Prinzip nichts anderes als die Neubeschreibung eines längst bekannten Konzepts mit neuer Terminologie.
Die trolligen Firmen sind sich dieser Lücke bewusst und haben nun "Inkubatoren", um von den alten Versäumnissen abzulenken. Man kann wohl für ein Patent auf eine Maus nicht verlangen, dass Referenzmäuse in einer unabhängigen Treuhandanstalt gehalten werden, man könnte aber für Software eine Hinterlegung des Quellcodes verlangen. Ohne Code keine Knete.
Der Haken an der Sache ist, dass auch Grosskonzerne in arger Verlegenheit sein können, wenn man Software von vor zehn Jahren wiederfinden muss.
Eine andere Teillösung bringt das Internet. Der Vorteil der Altpatente, nur mit einigem Aufwand als Diebstahl oder Plagiat aufgedeckt werden zu können, wird mit steigender Online-Verfügbarkeit von Studentenarbeiten und kleinen Fachzeitschriften sowie Open Source Projekten leichter werden.
Dann werden sich hoffentlich einige trollen.

4000 Mahlzeiten pro Tag -- ohne Strom, ohne Chemie

Was sich anhört wie ein Flüchtlingslager ist in Wahrheit ein Treffen der Rainbow Family. Lange vor der vielzitierten "Nicht-Organisation" Occupy Wall Street o.ä. gab es die "Nicht-Organisation" des Regenbogens. Es ist bemerkenswert, wie die Rainbows es zustande bringen jeden Tag tausende von Mahlzeiten auf Holzfeuer zu kochen und als einziges Desinfektions- und Putzmittel Holzasche zu verwenden. Und das auch noch im Regen und Schlamm. Hier einige Impressionen vom Europatreffen 2012 in der Slowakei: Frische Lebensmittel werden täglich zur nächsten Strasse angeliefert und dann etwa einen Kilometer weit über Wiesen und durch Wald zur zentralen Küche getragen, in Gebindegrössen von 10 bis 40 Pfund und bei 20 bis 30 Grad Wetter. Für die Mahlzeiten steht niemand Schlange, sondern man sitzt in einem oder mehreren grossen Kreisen und wird bedient! Wenn man aufmerksam hinschaut, bemerkt man eine jener kleinen Hygienemassnahmen, die wochenlanges Rainbow-Essen ohne auch nur eine Magenverstimmung ermöglichen. Die Teller oder Schüsseln werden nie über den grossen 70-Liter-Topf gehalten, sondern daneben. Die Servierer tragen die Schüsseln auf der flachen Hand, ohne je den Rand zu berühren. Händewaschen mit Holzasche und viel Wasser ist Pflicht, nicht einmal Seife ist erlaubt.
Man kann soviel oder sowenig lernen wie man möchte. Yoga in diversen Ausführungen, Kräuterkunde, Bauen einer Wasserkläranlage, Musik zum Mitmachen oder Zuhören, oder die Gegend erwandern, das sind einige Angebote beim Gathering.
Auffällig sind die vielen Familien mit Kindern und die Abwesenheit von Handys. Ab und zu sieht man einen Rainbow dezent im Wald telefonieren, aber das fast komplett elektroniklose Zusammensein ist in unserem Zeitalter bemerkenswert.
Problemlos ist alles natürlich nicht. Manchmal ist das Essen etwas knapp, aber es immer etwas da, auch ohne Völlerei. Manchmal fehlen Helfer beim ersten oder zweiten Anlauf, aber es findet sich irgendwie immer jemand, auch für das Ausheben der Shit Pits, jener Freiluftklos für Tausende von Menschen.
Die Ankunft im Camp mit einem frohen Welcome Home von Unbekannten, das Abstreifen der üblichen Zivilisationsmerkmale, für viele heisst das auch das Abstreifen sämtlicher Kleidungsstücke, sind einfach. Schwierig ist schon nach nur einer Woche die Rückkehr in die Welt des Kommerzes und der Autobahnen.
Und wie finanziert sich das Ganze? Nach dem Essen geht der magische Hut rund. Man gibt so viel oder so wenig wie man kann und mag. Und am Ende reicht es doch.

OpenNic -- das nichtkommerzielle Internet

Der digitale Hahn des Spiegels fordert ein nichtkommerzielles Internet. Als rühmliches Beispiel wird da die Mozilla-Stiftung genannt, die nicht viel tut ausser Browserentwicklung. Nicht genannt wird ein bestehendes nichtkommerzielles Internet, das vollkommen kostenlos betrieben wird, von Freiwilligen in basisdemokratischer Manier. Die Rede ist von OpenNic. Die OpenNic-Mitarbeiter betreiben DNS-Server, also jene Server, die sozusagen das Telefonbuch des Internet sind. Darüber hinaus, und hier wird es interessant, betreiben sie Domänen, die über das "normale" Internet hinausgehen und Ihnen, liebe Leser, ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die üble Internetdachorganisation ICANN macht ein Schweinegeld mit Domains wie .com, .net, .org und demnächst auch anderen.
OpenNic ist eine im Vergleich winzige Organisation mit einem erstaunlichen Angebot an domains, etwa .free, .indy, .ing und existiert seit etwa zehn Jahren, hat also eine nachgewiesene Langlebigkeit, die selbst grosse Softwarefirmen in den Schatten stellt.
Und noch etwas: bevor man Mozilla zum Massstab der Nichtkommerzialität erhebt, sollte man sich die Struktur des Mozialla-Imperiums einmal genauer anschauen.

Schön wär's gewesen -- Jugendsünden im Internet, eine Lösung?

Unbedachte Einträge in sozialen Netzwerken, ein auf immer wiederfindbarer Hinweis auf eine Dummheit unter 18, soll man sein Leben lang darunter leiden, wie jener britische Politiker, der wegen einer Geldstrafe von 10 Pfund mit 15 Jahren nun nicht Polizeichef werden darf?
Vielleicht kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem man jungen Menschen einen neuen Namen wählen lässt, wenn sie volljährig werden? Das hätte den Vorteil, dass die Millionen von Menschen, die mit einem ungeliebten Namen leben, eine Wahl hätten. Und, einmal abgesehen von Gesichtserkennungssoftware und detektivischer Kleinarbeit, könnte man Jugendlichen einen teilweisen Neustart nach ihren ersten Internet-Erfahrungen ermöglichen.

Das Kängeruh reist virtuell vom Hunsrück nach Chicago

Stichwort "kleine Welt". Letzte Woche meldete die Presse den Ausbruch eines Kängeruhs aus dem Hochwildschutzpark in Rheinböllen im Hunsrück. Dem Ausbrecher leisteten wohl ein Fuchs und ein Wildschwein Hilfe, indem sie Löcher im Zaun buddelten bzw. buddelten. Nun wäre das eine jener schnell vergessenen Stories unter der Rubrik Vermischtes, gäbe es da nicht das Internet. Und so tauchte die Geschichte in der wöchentlichen Serie "Wait, Wait, Don't Tell Me" des amerikanischen National Public Radio jenseits des Atlantiks auf.
Ob der Park das reale Kängeruh wiedergefunden hat, weiss Zores nicht. Mit dem vorliegenden Blog-Eintrag hat das virtuelle Kängeruh jedenfalls die Reise zurück aus Chicago gut überstanden.
Update 21. August 2012: Das Kängeruh ist wieder im Park zurück. Die genauen Umstände der Rückkehr sind nicht bekannt, aber unter Männern kann man vermuten, dass das entwichene Männchen die Nähe zu den beiden Damen seiner Art bevorzugte.

Führungskraft im Ruhestand: machen Sie sich nützlich

Eine andere Story unter der Rubrik Vermischtes, Unterpunkt Alterspsychologie, in der Zeit online beschäftigt sich damit, wie Führungskräfte mit dem Machtverlust nach Renteneintritt umgehen. Un-Psychologe Zores wiederholt seine Maxime: machen Sie sich nützlich. Es gibt jede Menge zu tun im Land. Junge Firmen beraten, ihnen vielleicht mit den noch vorhandenen Beziehungen (Networking) zu helfen, sollte den Führungsrentnern bei freier Zeiteinteilung Schutz vor dem frühen Ableben bieten.
Nehmen Sie sich ein Beispiel an Eike Uebe,
Vom Offizier zum Missionar.

Ein politikfreies Wochende

Zores sehnt sich nach einem politikfreien Wochenende. Ohne Gemetzel in Syrien, ohne Nashornmörder in Afrika, ohne Lebensmittelspekulanten, ohne Energiewendehälse, ohne geballten Schwachsinn aus diversen Wahlkämpfen, ohne Euro-Krise.
Rainbow Gathering? Einfach den Finger vom Knopf lassen?
Das Wörtchen "einfach" hat hier wohl dieselbe Bedeutung wie "einfach" in der Software-Industrie. Zum Beispiel in "Verwenden Sie einfach die Library XYZ" -- im einfachsten Fall bringt das eine Woche mehr Arbeit, im schlimmsten Fall kommt Ihre Firma wegen einfach gestohlener Passwörter oder Kreditkartendaten in die Presse.
Das war doch ganz einfach, nicht wahr?
Mittelkleingedruckter Hinweis: geschrieben an einem Sonntag.

Ende der Ferien

Das Ende der Schulferien 2012 ist da, und wie jedes Jahr geht Zores dieser Gedanke durch den Kopf: das Leben nach der Schule ist dem in der Schule so unsäglich ähnlich. In jeder etwas grösseren Firma oder jeder Institution gibt es das jährliche Zeugnis in Form einer Beurteilung oder Evaluation, fast jeder Oberlehrer (Manager) hält seine kleine Ecke der Welt für wichtiger als die der anderen, die Schulhofschläger haben bessere, nicht auf die Fäuste beschränkte Zwangsmittel, die Statussymbole sind grösser und schneller, aber im Grunde ist alles wie gehabt. Man ist so erpressbar wie in der Schule, nur die Geldbeträge sind grösser, die Allianzen mächtiger. Der Pausenclown ist trauriger, weil man mit 40 anders wahrgenommen wird als mit fünfzehn.
So macht man weiter mit dem Leben, und wenn man verschiedenen Religionen glaubt, dann endet die Schule des Lebens mit der letzten, finalen Prüfung und der Zuweisung in eine der drei Leistungsklassen Himmel, Hölle, ewiges Zwielicht.

Mein Alter: 4 Milliarden Jahre

Ab und zu überfällt Zores der Wunsch die Frage, wie alt sind Sie, mit einem "etwa vier Milliarden Jahre" zu beantworten. Was Zores davon abhält? Die Möglichkeit eines Besuchs von zwei netten Herren mit einer weissen Jacke, die lächerliche Furcht vor dem Entzug des Führerscheins wegen geistiger Verwirrung, und letztlich Mitgefühl mit jenen, die Physik und Chemie nicht so gut verstehen. Es ist wohl offenkundig, dass Zores manchmal Probleme mit Konventionen hat, sie jedoch als Rahmen menschlichen Miteinanders als notwendig anerkennt. Das Geburtsdatum ist eine solche Konvention. Also folgt Zores der Konvention und nicht der Provokation.

 

Wachsende Ungleicheit im Westen

Man liest und hört immer mehr über wachsende Ungleichheit. Zores zitiert hier keine Daten sondern möchte auf einen möglichen Grund hinweisen. Die Kriegsgenerationen sind nicht mehr. Die wenigen noch Lebenden sind 80 und älter. Zwar gab es genügend ewig gestrige, Zores ist aber der Meinung, dass die miterlebten Greuel und Umwälzungen eine gewisse bremsende Wirkung auf Gier und Anspruchsdenken hatten, die vielleicht dem sozialen Wohl zugute kamen. Das soll nicht als Nostalgie und Pessimismus verstanden werden, sondern lediglich als ein Grund unter vielen für eine gemässigtere Gesellschaft.
Zores bleibt Optimist, was die Menschheit als Ganzes angeht. Ja, Klimawandel wird grausam, die chemischen Verfehlungen in der Umwelt werden noch grausamer, aber von den bald 8 Milliarden werden genügend überleben. Was letzlich vielen Prophezeiungen diverser Religionen entspricht. Ist doch nett, wenn ein Atheist das sagt, nicht wahr?

Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts

Wundert sich eigentlich niemand, dass wir Durchscnittsbürger in der modernen Gesellschaft doch recht gut zusammenarbeiten? Anlässlich eines hundertjährigen Jubiläums kam Zores zu der Überlegung, dass der Mann von der Strasse in einem Jahrhundert zu einem Geschäftsimperium geworden ist. Der Alltag bringt heute für jeden Bürger einige Tausend Seiten von Verträgen, mehr als for 100 Jahren für viele Geschäftsleute. Es wäre nett, wenn das einmal anerkannt würde. Zores noch lebende Grossmutter wuchs ohne eigenes Telefon, ohne Auto, ohne Fernsehen, ohne Kühlschrank, ohne Versicherung mit Ausnahme der Rentenversicherung, auf. Eiscreme war ein Luxus, der erst in den sechziger Jahren durch eingewanderte Italiener in der nächsten Kleinstadt ankam.
Zores behauptet: Im Vergleich zu den Anforderungen an die weniger gut gestellten Teile der Bevölkerung hat sich die damalige Oberschicht weniger ändern müssen. Diese Behauptung ist selbstverständlich diskutierbar und sollte nicht als absolut verstanden werden.
Eines der Gegenargumente wäre etwa die zunehmende Spezialisierung im Berufsleben, die den Abstand zwischen "oben" und "unten" vielleicht weiter fördert oder zumindest weniger schnell hinfällig macht. Und die hergebrachten sozialen Klassen sind widerstandsfähig. Man wird als Dr. de Maiziere doch leichter Verteidigungsminister als als Dr. Maier.
Wenn uns die kommenden Jahre mit ihren rückwärts weisenden politischen Mächten nicht um die grossen sozialen Verdienste des letzten Jahrhunderts bringen, dann können wir dem Ziel des mündigen Bürgers ein Schrittchen näher kommen.

Die Zores-Branche des Monats September 2012 -- die Sicherheitsbranche

Diesmal gibt Zores einer ganzen Branche die Ehre, der Sicherheitsbranche. Unbestreitbar sind Schlösser und andere Sicherheitssysteme oft notwendig und nicht allzu invasiv. Dummerweise jedoch hat die Sicherheitsbranche nach den Anschlägen vom 11. September 2011 die Angst der Bürger vorm Bin Laden so gut ausgenutzt, dass autoritäre Trends sich in das Mäntelchen der Sicherheit eingewickelt haben. Die zweithinterhältigste Form des Ausschnüffelns hat leider auch viele deutsche Mitspieler, so die Firma Gamma, die in The Register einmal mehr vorgeführt wird.
Wie lange wird es noch dauern bis es weithin selbstverständlich ist: die Welt ist in vielen Bereichen längst nicht so gefährlich wie behauptet, in anderen Bereichen dafür wesentlich gefährlicher als zugegeben?

25 Millionen Euro Gold unversichert im Museum

Hier stellte sich die Gewissensfrage: nennt Zores den Namen des Museums, um als Wächter staatlicher Kunstschätze zu gelten und den Museumswächtern Überstunden zu bescheren? Die Antwort lautet nein. Denn das anfängliche Entsetzen über dieses Vorgehen ist einer weitergefassten Frage gewichen. Wenn ein Werk einmalig und unersetzlich ist, welchen Sinn macht eine Versicherung. Natürlich ersetzt sie das ausgebenene Geld für den Picasso, man kann sich vielleicht einen neuen kaufen. Aber was, wenn das der Schatz kostenlos war, ein aräologisches Fundgut wie der Schatz des Königs Tut? Eine Versicherung gegen eine unbedachte Beule beim Transport erscheint wohl sinnvoll, und das Heben aus 1000 Metern Meerestiefe beim Verlust eines Transportcontainers auch noch. Aber wenn das Schätzchen hinter Glas im Museum liegt, kann man vielleicht verzichten.

Wie anonym sind anonyme Mitarbeiterbefragungen

Der Schraubenkönig Würth macht seine Aussendienstler in einem Brief dumm an. Die Gewerkschaft ist mal wieder empört. Das wirklich interessante an diesem Spiegel-Artikel ist jedoch der Kommentar eines Geschäftsführers: "Daher ist die Führung leistungsbezogen und darauf aus, eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit zu generieren, getreu unserer Kulturregel 'Je größer der Erfolg, umso höher die Freiheitsgrade'." In jährlichen, anonymisierten Mitarbeiterbefragungen werde ihnen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit im Außendienst bestätigt.
Anonymisiert bedeutet also "zutreffend und frei". Da liegt nämlich der Hund begraben. Zores kennt sich aus mit anonymen oder anonymisierten Befragungen, und der Kommentar ist: erstens verbietet niemand das Speichern personen- bzw. computerbezogener Daten, zweitens können die Befragten lesen. Erstes heisst, man kann sich auf die Anonymität nicht verlassen. Zweites heisst, die praktisch in jeder Befragung vorkommenden Organisationsfragen erlauben meist Rückschluss auf zumindest die Abteilung, in der Regel auf eine Gruppe.
Seltsamerweise scheint es so zu sein, dass ein Papierfragebogen als anonymer betrachtet wird als eine computergestützte Umfrage. Warum das so ist, müssen die Psychologen erklären. Für Wutausbrüche von Chefs brauchen wir keine Erklärung.

Offenes Geheimnis: DDR-Grenze Mitte der Achtziger Jahre

Ein VW-Passat rollt vom Westen auf die Granze zu und kommt beim DDR-Grenzbeamten zum stehen. Der Insasse, ein Mann in zivil, reicht seinen Pass auf dem geöffneten Wagenfenster, sagt freundlich Guten Morgen. Der Genzer nimmt den Pass, kopiert ihn, schaut auf einen Bildschirm. Gute Fahrt, Herr Oberstleutnant, wünscht ihm der Grenzer, den Pass zurückgebend.
Der Fahrer lächelt, schüttelt den Kopf und macht sich auf den Weg nach Berlin.
Eine Woche später, während der wöchentlichen Lagebesprechung in der Dienststelle, beendet der leitende Oberst die Besprechung mit den Worten "und noch eine gute Nachricht, Major L. wurde mit Wirkung zum ersten zum Oberstleutnant befördert. Herzlichen Glückwunsch."

Offenes Geheimnis Teil 2: RAF-Terroristen in der DDR

Unlängst las Zores, dass die westdeutschen Geheimdienste nicht wussten, dass mehrere mutmassliche RAF-Terroristen in der DDR untergetaucht waren und dort als normale Bürger lebten und arbeiteten.
Diese Aussage ist schlicht falsch. Zores weiss aus zuverlässiger Quelle, dass im westdeutschen Sicherheitsmilieu die Aussage "die leben in der DDR" verbreitet war.

Sam Bacile - Imbecile

Der Trailer auf Youtube ist einigermassen schockierend. Das Ding scheint nicht für ein amerikanisches Publikum gemacht zu sein, sondern eher mit dem Ziel des Affronts. Das ist aber nicht so wichtig. Zores findet es nicht überraschend, dass der Filmemacher Sam Bacile anscheinend nicht unter diesem Namen existiert. Die Klangnähe von Sam Bacile - Imbecile mag nur für Sprachwissenschaftler interessant sein, aber Zores denkt sich so seinen Teil.
Nachtrag zur Unschuld des Mohammed: Christen können den Islam nicht verdammen. Schliesslich hat es 2000 Jahre gebraucht bis sich die christlichen Kirchen als Ganzes zu halbwegs friedlichen Institutionen entwickelt haben. Bei ähnlichen Abläufen hat der Islam also noch etwa 600 Jahre Zeit.
Es besteht noch die kleine Chance, dass dieser dämliche Film die Aussöhnung zwischen den unzeitgemässen Eingottreligionen beschleunigt. Dem Westen zeigt er, wie idiotisch seine rechten Christen sind, und den gemässigten Muslimen zeigt er, dass es keine Gesellschaft ohne Deppen gibt. Hoffentlich werden wir den Streifen nicht als Auftakt zum grossen Religionskrieg des 21. Jahrhunderts sehen müssen. Übrigens gibt es immer noch andere Kriege, schon mal von Syrien gehört?
Und noch ein Nachtrag: Ein Dank der ZEIT für den Artikel
Dies ist kein anti-westlicher "Flächenbrand".