Home Zores und Schrottie Juni 2012 September 2012 Oktober 2012

Herzlich Willkommen beim online Kummerkasten für Normalbürger

Wenn eine Firma Sie nicht in Ruhe lässt, wenn Staatsorgane Sie zum Wahnsinn treiben, wenn alltägliche Nachlässigkeit, Gier oder Inkompetenz Sie um den Schlaf bringen, dann kann Ihnen geholfen werden. Unser Selbsthilfeprogramm in drei Schritten geht ganz einfach.

  1. Holen Sie tief Luft. Aufregung ist ungesund.
  2. Überschlafen Sie die Sache. Hast ist ungesund.
  1. Wir alle machen Fehler. Nutzen Sie das Internet zur kreativen Widergutmachung Ihrer Fehler und der Fehler anderer. Behalten Sie Ihren Humor.

Schrotties Themen

Wenn das alles nichts hilft, wenden Sie sich an schrottie@sussenburger.com, unseren online-Kummerkasten. Wenn Ihre Geschichte uns rührt -- was ziemlich unwahrscheinlich ist, da wir eher hartgesotten sind -- veröffentlichen wir die wesentlichen Fakten hier. Selbstverständlich ohne Ihren Namen.

Schrottie scheut vor keinem Thema zurück! Ob Ärger mit der Schwiegermutter oder mit dem Amtsschimmel, ob saure Milch oder gierige Kleinkapitalisten, schreiben Sie sich gesund. Schrottie bietet keine Rechtsberatung, keine Vermittlung usw., sondern ein offenes Ohr, wie ein Kummerkastenonkel oder wie der nette Fremde am selben Tisch in der Kneipe.
Für die Intellektuellen unter Schrotties Lesern, sei angemerkt, dass Schrotties Verbauchereinträge explizit als Gegenmittel zu offenkundiger
asymmetrischer Vertragsgestaltung gedacht sind. Good bye Schrottie, hello Zores Schrottie wendet sich ab heute, dem 26. Juni 2012, anderen Dingen zu und übergibt diese Seite an unseren langjährigen Freund Zores. Dessen Name ist sein Programm, nicht immer, aber hoffentlich oft genug, um uns noch einige Monate zu unterhalten. Sie können Zores unter zores@sussenburger.com erreichen. Ansonsten bleibt alles zunächst unverändert.

Diese Seite ist gewidmet...

Schrottie antwortete auf die Frage, wie man ihm danken könne für die kurze aber gute Zeit, mit der Bitte um eine Widmung dieser Seite. Zores wollte auch eine, damit könne man sich später die Abschiedsfloskeln sparen, meinte der neue Schreiber. Es folgte eine lebhafte Diskussion von Widmungskandidaten, darunter Kurt Felix (tot), Thomas Gottschalk (tote Hose), Roberto Blanco und Guy Noir, doch ohne Einigung. Heraus kam eine Doppelwidmung. Schrottie wollte die Seite dem einzigen Hund widmen, der Gegenstand eines offiziellen Ermittlungsverfahrens der US Drogenbehörde DEA war. Zores wollte die Seite all jenen Menschen gewidmet wissen, die ihr Leben ohne grosses Drama leben, mal hüpfend, mal stolpernd, aber immer strebend nach leben und leben lassen.

Mehr zum Datenschutz

Diese Seite befindet sich auf einem befreundeten Server im Ausland (von Deutschland aus betrachtet). Trotzdem schützen wir Ihre Daten: wir geben nichts weiter, verkaufen Ihre Daten nicht, verschenken sie nicht. Update August 2012: Schrottie hielt eine Erläuterung der Datenerfassung bei einem Besuch der Webseite nicht für nötig. Zores findet es besser, hier genauer zu sein. Wir sehen die Top Level Domain bei einem direkten Besuch aber nicht beim Durchklicken von einer Suchmachine aus, wir sehen Google Suchbegriffe. Das ist alles.

Widerspruchsrecht

Sie fühlen sich als Firma, Institution, Person zu Unrecht hier kritisiert? Kein Problem. Senden Sie eine nette Erklärung an Zores, und wir sehen, ob Sie gute Argumente haben, die veröffentlicht werden sollten. Drohungen oder Druck bringen nichts, das dürfen Sie uns glauben.

Die Schrottiefirma des Monats April 2012: SRS Solartechnik

Mit der Firma SRS Solartechnik sollten Sie als Privatmann nie Geschäfte machen. Es könnte Ihnen so gehen wie dem Korrespondenten H.S. oder wie Stefan hier beschreibt.

SRS-Solartechnik ködert Kunden mit "Messerabatten", mit Versprechen von Komplettlösungen, mit dem falschen Hinweis auf den Wegfall von Subventionen, mit so netten Phrasen wie "das Angebot gilt ein Jahr". Und wenn Sie einen schlechten Tag haben, dann merken Sie erst zu spät, dass Sie kein Angebot sondern einen Vertrag unterschrieben haben. Von Komplettservice kann keine Rede sein, das finden Sie spätestens dann heraus, wenn SRS für die versprochene Montage nicht verantwortlich sein will und die Anlagenplanung ebenfalls auf einen Partner abschiebt.
Kundendienst scheint ebenfalls keine Stärke der Firma SRS zu sein, wenn man sich
diesen Erfahrungsbericht anschaut.

Dumm gelaufen auch für den Bundesverband Solarwirtschaft, dessen Logo auf der Homepage von SRS prangt. Nun ist der Verband sicher nur eine technische Dachorganisation und kann das kaufmännische Gebaren seiner Mitglieder nicht regeln.

Wenn Sie im Solargeschäft erfahren sind und mit harten Bandagen Geschäfte machen, dann ist SRS vielleicht okay nach dem Motto von Schrotties Oma: gleich und gleich gesellt sich gerne. Oder ein wenig krasser "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich".

Update: SRS hat einem der Kunden "vorerst keine" rechtlichen Schritte in Aussicht gestellt. Ende gut, alles gut?

Die Schrottiefirma des Monats Mai 2012: Hewlett Packard

Hewlett Packard hatte bei Schrottie einmal einen ausgezeichneten Ruf. Dann kam jedoch der Chip an den Tintenpatronen für Drucker. Der Chip macht aus Tintenpatronen, die man nicht nur bei HP kaufen konnte, Patronen, die man bei HP kaufen muss.

Das ist so, meint Schrottie, als ob VW an den Achsen einen Chipleser einbauen würde, der prüft, ob die Reifen mit einem von VW zugelassenen Chip ausgestattet sind. Haben die Reifen den Chip nicht, bleibt die Karre stehen.

Kurzum: ganz normale Verschleißteile werden nun zu einem Geldmacher, da man keine Konkurrenz hat.

Genau das hat HP bei seiner Druckertinte geschafft. Aber es kommt noch besser. Wenn Sie zufällig in den USA Urlaub machen und dort HP Patronen viel billiger sehen, lassen Sie die Finger weg. HP hat nämlich die Drucker mit einer Software-Kennung versehen, die es verhindert, dass ein Drucker in Europa mit Tinte aus den USA läuft. Damit kann HP Tinte in Europa teuerer verkaufen als in den USA, weil niemand die preiswertere Tinte hier importieren kann.

Und der Gipfel: Die europäischen Wettbewerbshüter finden das vollkommen legal. Nach Ansicht der Eurokraten ist nämlich jeder Druckerkäufer sich beim Kauf "über alle Kosten über die gesamte Lebensdauer eines Produkts" im klaren.

Schrottie wird in Zukunft die Finger von HP Druckern lassen. Bei den PCs hat Schrottie noch keine solche Abzocke gefunden und bleibt wohlwollend.

Update am 24 Mai 2012: HP wird ca. 27 000 Personen entlassen. Schadenfreude. Dear Meg, please fire the idiot who came up with the chip on ink and the "counterfeit" cartridge check. Thank you for not f@#ing over your customers.

Versuchter Einbruch in eine Webseite?

Sie verwalten eine Webseite, dann lesen Sie weiter. Schrottie findet Hacker-Foren faszinierend und hat eine Frage für Webseitenverwalter.
Wie oft sehen Sie sich in den Zugriffsprotokollen eigentlich die Fehlermeldungen an? Damit meine ich die Seiten, auf die der Zugriff fehlschlug. Sie finden dort Einträge wie diese:

 ...PMA3/scripts/setup.php ...phpMyAdmin-2.11.9.4-english/scripts/setup.php ...3rdparty/phpMyAdmin/scripts/setup.php

Solche Einträge stellen einen versuchten Hackereinbruch dar. Wenn Sie auch nur fünf Minuten auf eine Websuche nach solchen Einträgen aufwenden, finden Sie nämlich gut dokumentierte PHP-Fehler, die von Hackern ausgebeutet werden können.

Ein weiterer Hinweise darauf, dass jemand Ihre Webseite auf Sicherheit testet, sind überproportional häufige Zugriffe von

 http://domains.checkparams.com/index.php

Schrottie mag Hacker-Foren auch deshalb, weil die Benutzernamen teilweise kulturelle Edelsteinchen sind. Ein schönes Beispiel ist Optimus Crime, Übermoderator auf Hack BB und seinerseits offenkundig ein Fan von Harry Potter.

Betreten Verboten!

Man kann immer noch mit Sprüchen über Deutsche und "verboten" punkten und Leute zum Schmunzeln bringen. Es gibt aber auch andere Meister der Verbotenheit. Unsere U.S.-amerikanischen Freunde haben Deutschland in dieser Hinsicht längst auf Platz zwei verwiesen. Ein amerikanischer Gast stellte bei einer Waldwanderung die Frage, wo sind denn die Betreten Verboten Schilder? Schrotties Verwunderung wurde schnell geklärt.
In den USA müssen Sie "No Trespassing" Schilder selbst dann aufstellen, wenn Sie nichts dagegen haben, dass Wanderer Ihr Land betreten. Hat nämlich jemand einen Unfall, verweigert die Versichung jede Zahlung, wenn Sie die Verantwortung nicht vorab weit von sich weisen. Und das hat auch mit der Krankenversicherung zu tun, die viele Amerikaner nicht haben und die selbst bei denen, die eine haben, mit allen Mitteln um jeden Dollar kämpfen.

Die Präponderanz des Abstrakten

Diese bewusst hochtrabende Überschrift hat ein wenig mit den Piraten zu tun. Schrottie findet nämlich deren Einstellung zu geistigem Eigentum erfrischend, weil eine lange gestellte Frage wenigstens diskutiert wird. Warum sollte geistiges Eigentum eine solche Vormacht gegenüber manuellem Eigentum haben?
Wie wäre es, wenn man dem Maurer Tantiemen beim Verkauf seines Hauses oder seiner Wohnung zahlen sollte? Oder dem Autobauer, wenn man seinen Wagen verkauft?
Beide Berufsgruppen weisen mehr Geschick und Gewissenheit auf als mancher grauenhaft schlechter Schreiberling. Schrottie hat in langen Jahren nicht nur Atomkraftwerke dekontaminiert oder Flaschen gefüllt, sondern auch geistiges Eigentum geschaffen und die fehlende Gleichbehandlung stets beklagt. Ob Schrottie hier offen anti-intellektuell ist, dürfen Sie selbst beurteilen.

Offener Brief an meine Miturheber

Liebe Miturheber auf http://www.wir-sind-die-urheber.de,

Als ehemaliger Künstler und Autor verstehe ich euer Entsetzen und euer Anliegen und sehe euch gleichzeitig ausgenutzt und im Dienst jener Verlage, Galerien, Verwertungsgesellschaften, vor denen uns das Urheberrecht schützen sollte.
Ich habe keine Lust für die folgenden Aussagen zu recherieren (künstlerische Freiheit), so ist es denn wahrscheinlich, dass jemand schon einmal gesagt hat, was folgt.
Es stünde euch besser an, einmal Zahlen und Motive zu sammeln. Um Internet und Autobahn einmal mehr zu strapazieren: die allermeisten "Diebstähle" sind nicht mehr als minimale Geschwindigkeitsübertretungen beim Fahren. Tempo 50 ist ausgeschildert, man fährt aber 53. Und dann sind da am hellichten Tag die Raser und Drängler namens Kim Dot Com und bei Nacht die Stopschildverweigerer mit den erschummelten Doktortiteln.
Da schreibt man einen Bestseller, einen Hit, oder macht einen guten Film und will dafür bis 70 Jahre nach dem Tod bezahlt werden. Warum verstehen wir als geistige Urheber denn nicht, dass dem Zeitarbeiter und Stücklöhner so etwas ungerecht vorkommt? Der grosse Schirm das Urheberrechts schüzt auch geistige Verschleißteile des gesellschaftlichen Miteinanders, jenen Müll, den wir in Publikationen und in der Musik jeden Tag sehen, und wir erwarten, dass jene glanzlosen Produkte täglicher Termine den exakt selben Schutz geniesen wie umwälzende Werke und tiefsinnige Einsichten.

Schrottie ist ebenso wie ihr gegen Diebstahl, findet euch aber auf einem hohen Ross: wer von euch Unterzeichnern des Briefes hat denn noch nie eine kopiert Musikkassette oder CD von einem Freund bekommen oder noch nie einen unbezahlten Song angehört? Und dann seid ihr hingegangen und habt euch eine Version des Albums gekauft, nicht war? Damit wurde dann, gut katholisch, die Sünde der gestohlenen Kopie vergeben.

Und dann gibt es noch das praktische Argument was passiert mit geistigem Eigentum, für das eine Nachfrage aber kein Angebot besteht? Wenn ein Verlag, so an euerem Wohlergehen interessiert, ein Werk nicht mehr anbietet, ist euch das recht?

Und vergesst nicht die Kleinverlage. Schrottie kennt da einen Verleger, seit 40 Jahren im Geschäft, der per Handschlag arbeitet. Der Mann zahlt gut. Statt euch über die Mischkalkulation der Verwerter aufzuregen (ein bisschen Diebstahl steigert die Verkaufszahlen), solltet ihr vielleicht mit einem jener Verleger arbeiten, der seit 40 Jahren per Handschlag arbeitet und gut bezahlt.

Wir Künstler und Autoren haben doch Ego, wir sind der Überzeugung, dass wir etwas zu sagen, zu singen, zu fotografieren haben, für das andere uns bezahlen sollen. Wenn wir den nichtkommerziellen "Diebstahl" unseres Eigentums vielleicht einmal unter dem Aspekt der ehrenamtlichen Tätigkeit sehen könnten, wäre uns besser gedient. Der Bahnarbeiter, der als Feuerwehrmann in der Kleinstadt den "Diebstahl" seiner Zeit als gesellschaftlich wertvoll sehen kann oder der Rechtsanwalt, der ein paar Stunden für Hartz IV Empfänger einbringt, beide sind uns Künstlern in mancher Hinsicht voraus.

Letztlich ist euer gut gemeinter offener Brief ein Aufschrei der Angst vor der Irrelevanz. Wenn euer Einfluss so gross ist, dass ihr mit einer gut gemeinten Äusserung der Sorge den Zensoren des Internets zuarbeitet, dann schadet ihr euch letztlich selbst.

Nachsatz zur Erstfassung des Briefs an die Miturheber Schrotties Vorschlag zum Urheberrecht ist nicht umfassend, hat aber zumindest folgende Merkmale:

Die Beschränkung würde auch ein Problem lösen, welches Schrottie seit Jahrzehnten plagt: der Künstler als Wiesel. Man findet ja immer wieder Künstler, die sich mit einem Spartensprung jeder Diskussion oder Meinung entziehen. "Lieber Musiker X, wären Sie so nett, unseren Zuhörern die tieferen Motive und Beweggründe Ihres Albums Z zu erläutern?"
"Ja, Frau Redakteur, ich würde das ja gerne tun, aber wir haben es hier ja mit Musik und nicht Schriftstellerei zu tun, da bin ich also nicht der richtige Ansprechpartner." Oder so. Journalist zu Maler: "Lieber Maler X, wären Sie so nett, unseren Lesern die tieferen Motive und Beweggründe Ihrer Collage Z zu erläutern?"
Maler: "Wenn ich das könnte, hätte ich ja keine Collage geschaffen."

Allgemeine Rechtsschutzausführungsbestimmungen (ARSCH AB)

Karneval ist gerade einige Wochen vorbei bzw. kommt in einigen Monaten wieder. Und diesmal fordert Schrottie mehr Humor und Eingängigkeit bei den Titeln deutscher Gesetze. Die Überschrift dieses Paragraphs ist nur ein simples Beispiel für eine Auflockerungsmöglichkeit. Schließlich braucht man keine Abkürzungen wie DLKonjStatG (Dienstleistungskonjunkturstatistikgesetz).

Hunsrücker Hillbillies und Rampeschisser

Vor drei Jahren erschien im Hunsrücker Anzeiger ein offener Brief an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten. Der Inhalt des Briefes war eine Rundumattacke gegen die Hügelbewohner des Hunsrücks, verfasst von einem Bewohner des Rheintals. Demnach sind die Hillbillies faul, ungebildet, nur für manuelle Arbeiten zu gebrauchen, Bauern und noch dazu im Alter von weitgehender Demenz befallen. Der Verfasser verlangte nicht, dass man den Bildungsbürgerstreifen entlang des Flusses Rhein vom Land trenne, er legte den Mainzer Politikern jedoch nahe, die wirtschaftlich bedeutenden Einrichtungen, wie den Flughafen Hahn, einfach von Talbewohnern und Zugereisten führen zu lassen.
Schrottie muss sich leider auf sein Gedächtnis verlassen, da er den Artikel nicht mehr besitzt. Was nicht unproblematisch ist, wg. Demenzgefahr, nicht wahr.
Zunächst einmal gilt: wer die Hügeleinwohner als Hillbillies beschimpft, den dürfen wir daran erinnern, dass wir hier oben seit Jahrhunderten die weniger netten Talbewohner als Rampeschisser bezeichnen. Rampe (oder Rambe) ist Dialekt für ein Weintraubenbündel nach Entfernen der Trauben. Schisser ist Schisser.
Ungebildet sind die Hillbillies weil so gut wie alle Kaptitänspatente für Rheinschiffe von Talbewohnern erworben wurden. Aus Hunsrücker Sicht stellt sich die Frage: wieso braucht man überhaupt ein Stück Papier, um ein Schiff auf einer fest vorgegebenen Strecke immer nur den Fluß rauf und runter zu lenken? Rauf und runter, rauf und runter, und nach 40 Jahren in Rente. Und das auch noch auf dem größten öffentlichen Abwasserkanal Westeuropas?
Haben Sie schon einmal versucht, ein Ochsengespann zu führen? Wissen Sie überhaupt, wo bei einem Ochsen Backbord und Steuerbord ist und ob Ochsen oder Pferde einen Rückwärtsgang haben?
Die Frage, wo der Briefautor in den letzen 50 Jahren gelebt hat, ist natürlich rhetorisch (im Tal, klar doch). Dass Kinder und Enkel der Stocher und Heizer zu Ingenieuren und Doktoren wurden, hat der Autor offenkundig nicht mitbekommen. Oder vergessen, hm, hat Vergessen etwas mit Demenz zu tun?
Wie dem auch sei, Schrotties Beitrag zur deutschen Sprache ist, dass Rampeschisser nun im Internet auffindbar ist.

Internetanschluss gefährlicher als Jagdgewehr

Wer hätte das gedacht? In Deutschland ist der Besitz eines Internetanschlusses für den Inhaber gefährlicher als der Besitz einer Schusswaffe.
Es kommt immer wieder einmal vor, dass ein Jäger durch einen Schuss aus der Waffe eines anderen Jägers getötet wird. Zum Beispiel löste sich bei einer Jagd unweit von Schrotties Wohnsitz ein Schuss bei einer Pause zum Waffenreinigen. Das Geschoss traf einen Jagdkollegen mitten ins Herz. Keine Anklage, kein Schuldiger. Waidmannsheil!
Hingegen verurteilte ein Gericht in München unlängst eine Rentnerin wegen Softwarepiraterie obwohl die Dame zum fraglichen Zeitpunkt nachweislich keinen Computer und keinen funktionierenden Anschluss besaß.Waidmannsdank!

Schrottie gratuliert der Justiz zu diesem eleganten Nachweis des Sprichworts "das Wort ist mächtiger als das Schwert".

Verwaltungsreform einmal anders

Eine neue Verwaltungsverordnung wird nur erlassen, wenn eine alte gestrichen wird. Wäre das keine verführend einfache Lösung gegen Vorschriftendschungel und Verwaltungswirrwar? Beispielsweise könnte im Baurecht eine neue Verordnung über den Mindestdurchmesser einer Regenrinne nur erlassen werden, wenn etwa die bestehende Verordnung über den Bauabstand zum Nachbargrundstück entfällt.
Die praktische Umsetzung hätte es jedoch in sich. Wie wählt man eine zu streichende Vorschrift aus? Wer sucht die wegfallende Vorschrift aus, bleibt man im selben Rechtsbereich, wählt man durch Abstimmung? Interessant wäre auch der Zeitpunkt der Auswahl -- vor oder nach dem Erlass einer neuen Vorschrift?

Schrotties Vorschlag ist eine Lotterie. Alle Vorschriften im Zuständigkeitsbereich der verabschiedenden Körperschaft kommen in einen großen Topf, und das Los entscheidet. Man stelle sich folgendes Szenario vor:

Ergebnis: endlich besitzen wir Rechtssicherheit bei der Haarespalterei. Wenn jemand dabei verletzt wird, muss er selbst für den Arzt zahlen.

Dummerweise wird diese Verwaltungsreform nie stattfinden weil unsere gesetzlichen Vertreter die Regel "neue Vorschrift nur bei Wegfall einer alten" schlicht umgehen würden. Schrottie ist sich hundertprozentig sicher, dass es fortan keine neuen Vorschriften mehr geben würde. Es würden nur noch bestehende Vorschriften geändert und erweitert.

Bonuskandidat für Vorschriftenwegfall: die Demokratieerklärung.
Ob verfassungswidrig, wie kürzlich ein Gericht entschied, oder nicht, diese Erklärung ist einfach dumm. Sie fördert Toleranz nur in einem Sinn: sie stellt die Toleranz der Bürger gegenüber politischer Herablassung auf die Probe.

Ende des Klassenkampfs: Dienstreise 30 Jahre später

Mit grossem Vergnügen hat Schrottie die Entwicklung zur Dienstreise generell in der zweiten Klasse verfolgt. Vor circa 30 Jahren hatte Schrottie seine erste Dienstreise im öffentlichen Dienst, und die Ausstellung der Fahrkarte spielte sich ungefähr so ab. Schrottie erscheint bei der Verwaltung. Die freundliche Sachbearbeiterin stellt die Bahnfahrkarte aus und reicht sie über den Tresen. Schrottie: Erste Klasse? Sachbarbeiterin, freundlich erklärend: In Ihrer Dienstgruppe fahren Sie 1. Klasse. Schrottie: Kann ich bitte 2. Klasse fahren? Sachbarbeiterin, freundlich verwirrt: 2. Klasse? Nach kurzem Hin und Her fuhr Schrottie 2. Klasse. Der Ehrlichkeit halber sei gesagt, dass Schrottie später ein einziges Mal doch 1. Klasse fuhr, um zu erfahren, was an der ersten Klasse so erstklassig ist. Es war wie erwartet prätentiös aber noch langweiliger als befürchtet.

Lebensraum

Noch so eine alte Geschichte, nur 20 Jahre alt, diesmal über die Bestätigung, dass ein Ausländer ausreichend Platz in einer Wohnung hat Schrottie erscheint bei der Verwaltung als Begleiter einer Ausländerin, die sein Haus teilen wird. Die Ausländerin kann mindestens so gut Deutsch wie Schrottie, füllt ihre Formulare schnell und sicher aus. Sachbearbeiter: Es fehlt jetzt noch die Bestätigung Ihres Vermieters über eine ausreichende Wohnfläche. Ausländerin: ????? Schrottie: Sie wohnt bei mir, wir teilen uns das Haus. Sachbearbeiter: Dann brauche ich eine Bestätigung des Hausbesitzers. Schrottie: Es gehört mir, und die Wohnfäche ist ungefähr 140 qm, einen Garten hat es auch. Sachbearbeiter: Das könnte ja jeder sagen. Schrottie und Ausländerin verlassen die Verwaltung ohne Aufenthaltserlaubnis. Einen Tag später gibt Schrottie im Vorzimmer des Landrats einen Beschwerdebief ab, von wegen das könnte ja jeder sagen. Eine mündliche Entschuldigung und eine Aufenthaltserlaubnis folgen.

Nach dieser Story aus dem vergangenen Jahrhundert ist Schrottie ein wenig besorgt als er im 21. Jahrhundert den gleichen Gang zur selben Verwaltung mit dem gleichen Anliegen erneut machen muss. Wundersamer Weise fragt niemand nach dem Lebensraum. Manchmal kommt der Fortschritt in Form der Grundfläche einer durchscnittlichen Garage.

Welches Schweinderl hätten Sie den gerne?

Da beschwert sich so mancher über Eingriffe in die Privatsphäre weil Suchmaschinen und Webseiten personalisierte Werbung einblenden. Irgendwann wird Schrottie sich diesen Beschwerden anschliessen. Aber wenigstens manchmal ist es lustig, was so an Angeboten erscheint. Heute tauchte unterhalb eines Zeitschriftenartikels diese Werbung auf: Schweinekennzeichnung Tätowierstempel, Tätowierfarbe, Markierungsspray, Farbstifte Fortbildung für Ärzte Forum für medizinische Fortbildung. Hier informieren und anmelden! Beide Einträge sind völlig irrelevant. Schrottie ist weder Landwirt, noch Schweinehalter, noch Arzt. Der einzige persönliche Bezug, den er zugesteht, ist, dass es im Lauf eines länglichen Lebens wohl jemanden gab, der Schrottie als "so ein Schwein" oder als "kleines Schweinchen" bezeichnet hat.

Champions League

Wenn im Dorf Fußball gespielt wird, warten die Damen der Ortspolizeibehörde am kommden Morgen auf Herrn K. Das Grundstück des Herrn K. grenzt nämlich an den Sportplatz an. Jedesmal wenn ein Ball den fünf Meter hohen Fangzaun überwindet und der unglückliche Trainer den Ball holen muß, erwartet ihn Herr K. mit einem Kugelschreiber und einem vorgedruckten Zettel. Während der Trainer den Umweg um den Zaun zu K. macht, füllt K. den Zettel mit Datum und Uhrzeit aus. K. übergibt den Ball erst nachdem der Trainer die Überwindung des Zauns per Unterschrift bestätigt. Die gedemütigten Fußballer spielen weiter, und Herr K. tritt am folgenden Morgen den Weg zur Stadtverwaltung an, um einen weiteren Beweis der fußballerischen Rücksichtslosigkeit zu überreichen.

Einreise

Flughafen Frankfurt, in der Ankunftshalle vor der Einreisekontrolle. Eine Gruppe von sechs jungen US-Amerikanern diskutiert. Zwei Angehörige der Gruppe wandern zur Seite, offenkundig suchend, aber nach was? Schließlich nimmt sich einer der vier verbliebenen ein Herz und fragt eine vorbeigehende mittelalte Frau nach den Formularen. Welche Formulare? Für Zoll und Visum. Gibt es hier nicht, antwortet die Frau. Der junge Mann sieht einen Augenblick lang verwirrt aus, als wisse er nicht, ob die Auskunft richtig sein könne, ob die Frau sich nicht auskennt, oder ob sie ihn veräppelt. Er geht zur Gruppe zurück, man hört eine kurze Diskussion, die beiden anderen werden zurückgerufen, und der Trupp setzt sich in Richtung Passkontrolle in Bewegung. Keine Formulare, keine Fingerabdrücke, kein biometrisches Foto - wie verwirrend Freiheit für junge US-Bürger sein kann, muss man einmal selbst mitangesehen haben.

Gemeinsame Währung ohne politische Einheit

Es herrscht wieder einmal Konsens bei den grossen Parteien: die Einführung einer gemeinsamen Währung ohne politische Einheit war ein Fehler. Menschenskinder, gibt es denn niemanden, der die Augen aufhält? Worauf basiert denn diese Ansicht, und was soll "politische Einheit" denn bedeuten in einem pluralistischen Verbund? Griechenland ist nur deshalb ein Problem weil wir am Etikett des selbstständigen Staates festhalten. Niemand sieht ein Problem darin, dass manche Länder den US Dollar als Zweitwährung benutzen oder dass Weltwirtschaftsmacht Nummer 7 oder 8 in Form des US-Staats Kalifornien so pleite ist wie Griechenland.

Die Chinesen haben Ihren Quellcode, so what?

Manche Softwarefirmen gestatten anderen Ländern Einblick in Quellcode, zum Beispiel hat Microsoft sowohl Russland und China Zugang zu Windows-Quellcode gegeben. Andere Firmen hingegen werben sogar damit, dass nicht einmal ihre eigenen Beschäftigten in China den Quellcode eines Produkts einsehen können. Das wäre ja eine einfache Sachlage, wenn es da nicht ein Problemchen gäbe. Mit Fernzugriffssoftware, die standardmässig auf allen Entwicklercomputern installiert ist, können so manche Mitarbeiter der Zweigstelle Schanghai ohne weiteres Quellcode des "Flagship products" einsehen und herunterladen. Ausserdem gibt es ja flash drives in den Händen besonders, sagen wir mal, teilungs- und reisefreudiger Mitarbeiter.
Fazit: Freiwillige Open Source ist eben doch besser als unfreiwillige.

Schrottie möchte gerne 80% Einkommenssteuer zahlen

Die Idee ist geklaut bei Sam Izdat aber nichts desto trotz interessant. Schrottie ist laut Bundesstatistik offiziell "arm" und bietet der Republik nicht an, auf seine paar Euro 80% Steuern zu zahlen. Schrottie möchte aber gerne eine Million Euro "verdienen" und darauf freiwillig 80% Einkommenssteuer zahlen. Das Wort verdienen ist in Anführungszeichen, denn, Sie ahnen es, Schrottie ist der Überzeugung, dass nur wenige Grossverdiener ihr Geld tatsächlich verdienen. Warum eine Million Euro? Es ist ein schöner, runder Betrag, und von den verleibenden 200 000 könnte Schrottie vermutlich inflationsbereinigt 20 Jahre leben. Wenn Sie, liebe(r) LeserIn eine Million übrig haben, senden Sie Schrottie eine kurze Email. Wir holen das Kleingeld gerne persönlich ab, schliesslich sollen Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Angebote aus Nigeria werden jedoch tunlichst ignoriert.

Käptn Coke gegen die Schokoladenfabrik

Da streiten sich zur Zeit wieder einmal Firmen um die Programmiersprache Java und Patente. Man könnte wieder einmal über den Zustand der Softwareindustrie jammern oder es mit einer kleinen Geschichtslektion belassen.

Was war denn an Java damals neu? Nicht die Programmiersprache an sich, denn SUN hatte eine Sprache, die in Syntax, keywords, Event-Handling, etc. so aussah wie kurz darauf Java. Aber diese Sprache basierte auf "C/C++" und wurde entsprechend kompiliert. Die virtuelle Machine? Auch nicht neu. Es gab im Tal der Silikonkönige zum Beispiel die Firma XSoft mit einem Softwarepaket, das eine virtuelle Machine besass, die unter UNIX, BS 2000, und Windows lief. Interpreter? Auch nicht. Jede Menge Sprachen -- etwa das vielgeschmähte BASIC -- liefen "interpretiert".
So war das SUN-Rezept in gewisser Hinsicht genial einfach: Man nehme eine Sprache, die man eh schon hat und die einige Grundfehler von "C/C++" bekämpft, dazu nehme man die bereits erprobte Idee der virtuellen Maschine und belasse es zunächst beim Interpretieren, voila. Das grundsätzlich Mutige daran war, dass das Ganze nicht auf bestimmte Geschäftskundenanwendungen oder Firmen mit IT-Departments begrenzt sein würde, sondern eben "überall" Einsatz finden sollte.
So ist es ein Fluch des Erfolgs, dass Käptn Coke (looking at the can and saying, well, this one is legal) knapp 20 Jahre später konsequenterweise versucht, mehr Geld aus Java zu schlagen. "Mehr Geld" deshalb, weil es in Käptn Coke's Firma Mode ist sich darüber zu beschweren, dass "man" mit Java kein Geld verdiene. Das stimmt natürlich nicht, ist aber gut, weil man nun mit gutem Gewissen gegen die Schokoladenfabrik in den Krieg ziehen kann. Oracle hätte SUN nie im Leben gekauft, wäre da nicht Java gewesen, und Oracle selbst hat Java fröhlich und weitgehend kostenlos verwurstet bis zur Übernahme von SUN. Schrottie's Empfehlung an alle Java-Streiter: no Java without Kava.

Deutsche Buntesländer

Und so wurde das Land bunt, und keiner hat es gemerkt. Verkaufshallen von oben bis unten in Gelb- und Orangetönen, Wöhnhäuser total rot oder türkis. Beige, weiss, grau -- die deutschen Tarnfarben der Einheitsgesellschaft gibt es zwar immer noch aber glücklicherweise auch immer weniger. Ob es die Urlaubsreisen in die nordischen Länder, die generelle Mediterranisierung Deutschlands, oder billigere Farben waren, ist nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend ist, dass das Land farbenfroher wurde und das kollektive Unterbewusstsein dem Wörtchen farbenfroh endlich Leben verliehen hat.

Furunkulus: Medieval Heavy Metal

Schrottie und Co. machten sich am Pfingstsonntag 2012 auf zum mittelalterlichen Spectaculum in Oberwesel am Rhein.Neben Met, Steinmetzen und diversen Handwerkern gab es mittelalterlich angehauchte Musik. Headliner des Abends war Furunkulus. Der Start war ein Gemeinschaftsintro mit zwei Gauklern, die mit brennenden Drumsticks auf Stahlfässern trommelten und von Furunkulus unterstützt wurden. Das Stück war unverkennbar Iko Iko. Dann folgte ein furioses Set aus zumeist "mittelalterlichem Heavy Metal", eine interessante, leicht wohlmeinend schräge Collage inklusive leicht germanisch, gothic gestyltem Bühenambiente, ab und zu unterbrochen von eher traditionellen irischen und bretonischen Liedern. Nach fünf Zugaben hörten wir auf zu zählen. So kamen die rasierten Jungmänner in ihrem "Wacken 2011" T-Shirt ebenso auf ihre Kosten wie die mittelalterlich geschnürten jungen und alten Mädels.

Das Kreuz mit dem Haken

In den späten 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde in Unterfranken (hier stand Oberfranken, ahi, so sorry) die General Heusinger Kaserne eingeweiht. Es gab Ansprachen, stramm und nicht so stramm stehende Soldaten, Blasmusik und viel Händeschütteln und Danksagen. Und was es auch gab, war ein Foto in der Saale-Zeitung, in dem einige alte Fahnen zu sehen sind. Nun ist die folgende Geschichte nicht so ganz einfach zu rekonstruieren und wurde wohl auch deshalb lange nicht erzählt. Die Fahnen waren alt, und zwar so alt, dass sie nach dem zweiten Weltkrieg entnazifiziert wurden. Das heisst, die Hakenkreuze in den Ecken des Fahnentuchs wurden herausgeschnitten und durch Eichenlaub ersetzt. Der Haken an der Sache ist, dass die Fahnenspitzen nach wie vor ihre dezenten Hakenkreuze behielten. So dezent, dass man sie, schwarzer Metallguss auf schwarzem Metallguss nur aus der Nähe sieht. Das Herumtragen der Fahnen hätte, wenn diese Geschichte stimmt, damals den einen oder anderen seine Karriere kosten können. Aber sie bestätigt Schrottie's Credo, dass es keine guten und keine bösen Menschen gibt, nur Menschen, die manchmal Gutes und manchmal Böses tun.

Strahlemann

Wer einmal im Schutzbereich eines Kernkraftwerks gearbeitet hat, kennt den unterkühlten Raum im Kellergeschoss, wo man nur mit einem dünnen Papierkittel bekleidet auf einer kalten Pritsche liegt, über einem ein Zylinder etwa so gross wie zwei aufeinanderstehene 10-Liter Eimer. Der Zylinder misst, und nach wenigen Minuten zeigt einem der Techniker den Ausdruck mit der Messwertkurve. Wenn Sie so alt sind, dass Sie zu den Zeiten oberirdischer Atomwaffentests ein Kind waren, dann wird Ihnen der Techniker gerne jene Einträge auf dem Computerausdruck zeigen, die die radioaktiven Isotope widergeben, die in Ihrem Knochenapparat eingelagert sind als stille, ein wenig unheimliche Erinnerung an diese Jahre des atomaren Wahnsinns.

Die Schrottiefirma des Monats Juni 2012: Symantec

Die Angstmacher von Symantec schlagen zu: nicht einmal eine Woche nachdem zum ersten Mal über das gefährliche Cyberangriff-Tool FLAME bzw. Flamer berichtet wird, Die Marketingfritzen schicken eine Email mit dem Titel Security Alert: Information on Flamer. Flamer has managed to infect a large number of computers worldwide. Are you protected? Und das war's dann auch schon an Informationen. Kein Wort darüber, dass Normalbürger in Westeuropa oder den USA von diesem staatlichen Terror-Tool wohl kaum etwas zu befürchten haben. Wenn es noch an einem Grund gefehlt hätte, Norton auf die Shitliste zu setzen, das wäre er gewesen. In der Norton-Datenbank wird die Verbreitung von Flamer als "low" dargestellt.

Analoges Musikdenken bei zeit.de

Laut Zeit online wird Musik nicht mehr wertgeschätzt.

Der Leserartikel, dessen beiden ersten Absätze hier diskutiert werden, ist ein netter, nostalgischer Beitrag und unfreiwilliger Komik.

"Ich möchte aus einer Zeit erzählen, in der Musik ausschließlich auf Schallplatten veröffentlicht wurde. Ich ging öfters mit musikbegeisterten Freunden in einen der zahlreichen Plattenläden, manchmal mit mehr, meistens mit weniger Geld."

Kommentar: Es war einmal Märchenstunde. Sachlich falsch ist "Musik ausschließlich auf Schallplatten", denn man hatte ja schon zuhause Kassetten und überspielte. Überflüssige Adjektive gleich zum Start, denn musikbegsisterte Freunde zogen in die zahlreichen Plattenläden.

"Es gab Geschäfte, die eher die Platten der Independent-Labels verkauften. In größeren Läden, die zum Teil von Ketten betrieben wurden, gab es die kommerziellen Titel. Auf einer Tour besuchten wir immer drei bis vier Geschäfte." Kommentar: Da spricht der Städter, der Geld hat, und nicht der Landjunge, dessen nächster Plattenladen 50 km in jeder Himmelsrichtung entfernt war. Aber nicht zuviel Geld, man will ja zeigen, dass man ein wenig leiden musste, um an die Musik zu kommen.

"Entweder fieberten wir der Neuerscheinung eines Albums entgegen oder wir fanden beim Stöbern so manchen Schatz, oft auch als "Nice-Price"- Edition für zehn Mark. Nach dem Einkauf trugen wir die Platten in einer Tüte zu einem meiner Freunde nach Hause und legten sie dort andächtig auf den Plattenteller. Die Scheiben der anderen überspielten wir uns gleich auf Kassette. In den Tagen danach beschäftigte sich jeder alleine mit den Alben. Wir haben die Plattencover tausendmal angesehen und die Texte mitgelesen."

Kommentar: Auf Kassette überspielen war völlig in Ordnung. Aus dem Internet herunterladen ist es dagegen nicht. Wir verstehen ja, dass Platten etwas empfindlich waren, es ändert aber nichts am "für umsonst". Das andächtige Auflegen, nun, man musste ja Kratzer vermeiden.
Nun jungen Menschen vorzuwerfen, sie würden auf zweiklassiger Ware sitzen ("lausige Qualität der MP3-Daten") und Künstlern sagen "ihre Musik sei nicht mehr schützenswert und kein Geld mehr wert, weil sie in digitaler Form existiert", das ist schon erheblich nostalgisch. Junge Leute bezahlen auch heute noch Geld für Musik, für digitale wohlgemerkt. Und alte zahlen auch. Live-Musik ist, reines Bauchgefühl, heutzutage mehr gefragt als vor 50 Jahren.

Nervosität als Kriterium in der Managerauswahl

Nehmen wir an, zwei Kandidaten für einen Managerposten hätten absolut identische Qualifikationen, identische persönliche Merkmale, der einzige Unterschied wäre, dass einer ein eher nervöser Mensch ist, der andere nicht. Der nervöse bekommt den Job, nicht in einhundert Prozent aller Situationen aber in, sagen wir, 80 Prozent. Bei ungleichen Qualifikationen liegt der Gewinnanteil der Nervösen immer noch deutlich hoch. In welchen Berufsgruppen oder Firmen nervöse Manager es besonders gut haben und in welchen die nervöse Persönlichkeit keinen Aufsteigervorteil hat, das müsste man einmal genau untersuchen. Ein zur Nervosität neigender Manager hat aus der Sicht seiner Bosse zumindest den Vorteil, dass er seine Untergebenen auf Trab hält.

In Formation mit Information

Professor Roth schrieb in eínem Artikel über Gewerkschaften in der Sowjetunion, dass Information mit in Formation zu tun hat. Nun muss man vorsichtig sein, wenn man Wortspiele benutzt, denn sie sind nicht unbedingt portierbar. Schon auf französisch geht es nicht mehr ohne Fussnote. Trotzdem, es ist ein kurzer Satz, der Schrottie und einigen anderen sehr gute Dienste geleistet. Man wird über etwas informiert. Dann sollte reflexhaft die Frage folgen: wozu dient diese Information?

Wenn man diesen Merksatz nun mit dem Postulat "es kommt auf das Bezugssystem an" aus der Physik kombiniert, dann kann man mit ein wenig Aufmerksamkeit einigermassen wach durch die Welt gehen.

Von Soldaten, Helden und Menschen

Vorweg gesagt, Schrottie war ein schlechter Soldat. Eine knappe Stunde nach Ankunft in der Kaserne ging der Zug im Laufschritt zum Mittagessen während Schrottie im Zimmer sass und den Gummizug der Sporthose reparierte, die er defekt in der Kleiderkammer erhalten hatte. Dann ging er gemütlich zur Kantine und wurde vom Nachbarzug, im Laufschritt natürlich, überholt. Der Zugführer stoppte seine 50 Mann und raunzte Jung-Schrottie lachend an: "Sie brauchen wohl einen Rollstuhl!?". "Wenn Sie einen haben, gerne." 50 Mann brachen in Lachen aus. Logisch, dass Schrottie danach eher schikaniert wurde und seinen Wehrdienst eigenhändig verkürzte.
Trotzdem, und trotz genereller Ablehnung von Gewalt, hatte die Wehrpflicht eine gute Seite. Sie machte die Streitkräfte ein wenig transparenter und bot ungeachtet der üblichen Skandale einen gewissen Anreiz zu gutem Benehmen seitens der Profis und Zeitsoldaten.
Das Einschussloch im Wachturm des Atomwaffenlagers mit einem bundeswehrkritischen Zeitungsartikel direkt neben dem Loch im Glass war immerhin so etwas wie Demokratie. Bleibt zu hoffen, dass wir wenigstens nicht mehr von Helden sprechen müssen oder wenigstens Helden nicht ausschliesslich Soldaten sein müssen.

Stromversorger: Abzocke mit Garantie

Juni 2012. Die Netzbetreiber haben auf höhere Netzentgelte geklagt und Recht bekommen. Die Jungs (kann man ja gut sagen, da es in Deutschland keine Frauenquote gibt) haben Nerven, die dicker als ihre Stromleitungen sind. Schrottie hat einen Freund, der ist stinkesauer darüber. Der Grund ist, so der Freund, dass jedes Jahr Tausende von Deutschen mit ihrem Geld für dumme Entscheidungen der Stromversorger zahlen. Diese Abzocke stammt noch aus der Zeit der öffentlich-unrechtlichen Inkorporation und funktioniert immer noch wie geschmiert. Schrotties Freund lebt in einer Kleinstadt, wo Strom zum grossen Teil über Dachständer kommt. Im Städele wurde vor 20 oder 30 Jahren im Zug einer Strassensanierung auch Gas verlegt, unter dem Bürgersteig, pflegeleicht. Die Stromversorgung bliebt in der Luft. Das Gasnetz gehört zum selben Konzern wie das Stromnetz. Die Stromabnehmer dürfen immer wieder in die Tasche greifen, wenn zum Beispiel das Dach renoviert wird. Derzeit kostet das ca. 1200 Euro an den Netzbetreiber und einige Hundert an den Elektriker, der ans Netz anschliesst und dann den Neuanschluss vornimmt.
Der für den Freund zuständige Netzbetreiber hatte zunächst eine kostenlose Umstellung von 4 alten, nichtisolierten Einzelleitungen auf eine verdrillte, isolierte Luftleitung angeboten. Ein paar Monate später hiess es, oh, dafür haben wie kein Budget. Also wurden ein paar Meter Isolierung auf die alten Leitungen aufgeschoben, und der Dachdecker des Freundes schüttelte den Kopf. Dem Freund zufolge war der alte Dachständer sowieso höchstens fünf oder zehn Jahre vom seinem Lebensende entfernt. Nun hat der Netzbetreiber einen neuen Dachständer und neue Leitungen auf Kosten des Abnehmers bekommen.

Schrotties Freund ist seitdem emsiger Leser jedweder Website, auf der es um Speichertechnik für Strom geht. Sobald eine vernüftige Inselanlage seinen Stromverbrauch ganzjährig decken kann, dürfen die Jungs vom Netzbetreiber das Luftkabel abbauen. Basta.
Und noch etwas: Der Gesetzgeber ist grosszügig. Wenn Sie dem Netzanbieter kündigen, hat der drei Jahre Zeit um sich um "seine" Anlage auf Ihrem Dach zu kümmern.
Schrotties Freund freut sich auf die kommenden Preiserhöhungen, denn jeder Cent, den man ihm abverlangt, rückt die Insellösung näher an die Wirtschaftlichkeit.

Es werden noch Wetten angenommen: wenn Insellösungen wirtschaftlich werden und Verbreitung finden, wird die öffentliche Hand die Anlagenbetreiber irgendwie zur Kasse bitten? Wie wäre es mit einer Sonnensteuer, schliesslich scheint die Sonne ja über staatlichem Hohheitsgebiet.

Mobilfunk mit heisser Luft -- die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Telekom

Schrotties Bloghoster hatte üble Erfahrungen mit den Mobildiensten der Telekom. So wurde ein Angebot mit unbegrenztem superschnellem Datenvolumen gemacht, welches dann nach ein paar GB gedrosselt wurde. Und ganz nebenher wurden Übertragungsraten von 7 kbit pro Sekunde erreicht. Lange Rede kurzer Sinn, schauen Sie sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen an. Dort ist mit Stand vom Juni 2012 eine Mindestdownload-Rate von 14 kbit pro Sekunden angegeben. Also so gut wie nichts.

Wieviele Bohrmaschinen braucht der Mensch

Es ist und bleibt Schrottie in weiten Teilen ein Rätsel, wie Wachstum, Wachstum, so unabdingbar sein soll. Natürlich ist so Manches sehr einfach: wenn die Wirtschaft wächst, braucht theoretisch keiner etwas abzugeben. Das stimmt zwar nicht, aber es wirkt wohl immer noch lange genug, um die nächste Wahl zu gewinnen, den nächsten Karriereschritt erfolgreich zu machen.
Und wenn man halt schon drei Bohrmaschinen in der Werkstatt hat, dann soll man ein sein einfaches Handy gegen ein neues Smart Phone austauschen, und so weiter, und so weiter.

Big Tits National Park

Wenn die Bevormundungsmaschinerie in den USA mal wieder auf Hochtouren läuft und die Moralmacher wieder einmal zuschlagen, dann denkt Schrottie manchmal mit Vergnügen an den Grand Teton National Park und die Vorzüge des mangelhaften Fremdsprachenunterrichts.

Heimatfront

Mehr Suizide als Gefallene in Afghanistan, warum wundert man sich darüber. Wenn die Streitkräfte für viele die einzige Möglichkeit zum sozialen Aufstieg sind, andere tatsächlich an die Verteidigung der Freiheit glauben, wen wundert es, wenn tiefe Enttäuschung in beide und grausame Kriegswirklichkeit zu einem Cocktail werden, den Heimkehrer nicht mehr ertragen.

But we won the war!

So war immer wieder einmal in England zu hören, halb im Spass, halb im Ernst. Es war nicht immer einfach als junger Deutscher in Großbritannien in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In der Londoner U-Bahn nahm ein älterer Mann neben Jung-Schrottie und seiner Freundin Platz. Dann begannen die beiden sich auf deutsch zu unterhalten, und der Mann erhob sich und nahm sich einen neuen Sitz drei Reihen weiter entfernt.
Oder das B&B im westenglischen Bath, geführt von einem sehr netten alten Ehepaar. Der Mann half jeden Morgen beim Zimmermachen. Nach zwei Tagen nahm uns die Frau beiseite und fragte woher wir waren. Oh, aus Deutschland. Sie mochte uns wohl, denn sie fuhr fort: Sie sind die allerersten Deutschen, die wir aufnahmen. Die Zimmervermittlung der Touristeninformation hatte uns wohl als Holländer plaziert. Auf die Frage, ob wir besser gehen sollten, schüttelte sie den Kopf, nein, bleiben Sie ruhig, es ist gut so. Und dann fuhr sie fort: wissen Sie, Phil war Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg, und er flog Grosseinsätze mit, auch Dresden. Es geht ihm immer noch nach, setzte sie hinzu. Und schließlich sagte sie, es war eine schwere Zeit, wissen Sie. Sie lächelte. Phil war mein siebter Verlobter, die anderen fielen einer nach dem anderen.
Wenn die Erwachsenen mit trauriger Stimme über diesen oder jenen Verwandten oder Freund sprachen, der gefallen war, dann war es für uns Kinder seltsam und tief widersprüchlich. Wir fielen ständig, aber keiner machte ein trauriges Gesicht.
Die Gefallenen kommen in den Ruheraum.